Vordernberg: 81 Insassen im ersten halben Jahr

Seit einem halben Jahr ist das Anhaltezentrum Vordernberg offiziell eröffnet und hat seither 81 Insassen beherbergt. Laut Polizei verliefen die ersten sechs Monate „zufriedenstellend“. Der Bericht der Volksanwaltschaft ist indessen fast fertig.

Derzeit bereiten sich in Vordernberg 27 Personen auf ihre Abschiebung vor; ausgelegt ist das Gebäude für bis zu 220 Bewohner.

Laut Polizei hat sich seit der Eröffnung am 15. Jänner der Personalstand bei den Exekutivbeamten um eine Stelle verringert: Derzeit versehen 30 Uniformierte ihren Dienst, für den Vollbetrieb wären 55 Polizisten vorgesehen. Sie sollen von 68 privaten Sicherheitsleuten unterstützt werden, ein Novum im österreichischen Justizbereich - mehr dazu in Vordernberg: Einblick in genaue Aufgabenteilung (30.12.2013).

Abläufe „zufriedenstellend“

Die Abläufe liefen im ersten halben Jahr zufriedenstellend, hieß es auf Anfrage seitens der Landespolizeidirektion Steiermark. Das polizeiliche Personal musste Insassen etwa zu Fachärzten oder zu Behörden bringen sowie zum Beispiel ins Polizeianhaltezentrum Wien überstellen. Zu den Aufgaben gehören außerdem sogenannte Schubfahrten an die Grenzen zu Italien, Deutschland, Tschechien und Ungarn. Insgesamt wurden keine besonderen Vorkommnisse verzeichnet.

Prüfbericht der Volksanwaltschaft beinahe fertig

Dass das Schubhaftzentrum in ein Erstaufnahmezentrum - wie jenes in Traiskirchen - umgewandelt werden könnte, stehe nicht zur Diskussion: „Es handelt sich dabei um zwei grundlegend verschiedene Angelegenheiten. Ein Erstaufnahmezentrum betreut Hilfesuchende, wogegen ein Anhaltezentrum Personen verwahrt, die bereits einen rechtskräftigen Abschiebebescheid erhalten haben“, stellte Fritz Grundnig von der Landespolizeidirektion klar - mehr dazu in Widerstand gegen Flüchtlingslager Vordernberg (31.5.2014).

Der Prüfbericht der Volksanwaltschaft, die die Auslagerung einzelner Aufgaben an einen privaten Betreiber unter die Lupe nimmt, ist beinahe fertig und soll in den kommenden Wochen vorliegen - mehr dazu in Vordernberg: Innenministerium nimmt Stellung (22.3.2014)

Nicht aus Kapazitätsgründen errichtet

Nach der offiziellen Eröffnung gab es bei der Erstbelegung eine Verzögerung von mehr als einem Monat - verspätet gelieferte medizinische Laboreinrichtungen sowie eine zu spät angesuchte Genehmigung nach dem Arbeitnehmerschutzgesetz waren die Ursache dafür - mehr dazu in Erste Schubhäftlinge treffen in Vordernberg ein (27.2.2014).

Bei letzterer handelte es sich um die Bewilligung, die für die Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma G4S benötigt worden war. Zudem war der Übersiedelungsdruck nicht allzu groß: Im Frühjahr konnten rund 50 Schubhäftlingen in ganz Österreich gezählt werden. Es wurde aber auch mehrfach betont, dass das Anhaltezentrum Vordernberg nicht aus Kapazitätsgründen errichtet wurde, sondern um einen einheitlichen und menschenrechtskonformen Betreuungsstandard herzustellen.

Werbung X