Ursachensuche nach Flucht aus Schubhaftzentrum

Nach dem Ausbruch eines Schubhäftlings aus dem Schubhaftzentrum in Vordernberg wird nach der Ursache gesucht. Derzeit stehen einem Häftling zwei Polizisten gegenüber; ein technischer Defekt soll den Ausbruch möglich gemacht haben.

Der Vorfall sei noch Gegenstand von Ermittlungen, sagte ein Sprecher der Landespolizeidirektion am Dienstag.

Über zwei Zäune ins Freie

Bei dem Geflohenen handelt es sich um einen 32-jährigen Algerier, der seit 10. August im Anhaltezentrum in Vordernberg einsitzt. Sein Abschiebungstermin steht noch nicht fest - so lange wollte der Mann aber offenbar nicht warten: Er gelangte am Montag über einen Balkon in den Außenbereich und kletterte dort über zwei Zäune - der äußere ist über vier Meter hoch. Alarm soll dabei keiner ausgelöst worden sein; die Flucht des Schubhäftlings wurde erst bei einer Kontrolle bemerkt. Der Geflohene wurde zur Fahndung ausgeschrieben.

16 Schubhäftlingen stehen in Vordernberg derzeit 31 Exekutivbeamte gegenüber; Kritik, man hätte versagt, weist die Landespolizeidirektion - als Verwalter des Schubhaftzentrums - dennoch ausdrücklich zurück.

Technischer Defekt

Man versuche zunächst einmal zu klären, wie der Ausbruch überhaupt gelingen konnte, sagt Joachim Huber von der Landespolizeidirektion: „Zum Außenzaun gelangt man ausschließlich, wenn man den inneren Zaun überwindet. Dieser Innenzaun ist mit einer sehr guten akustischen und optischen Alarmeinrichtung abgesichert, diese Alarmeinrichtung hat aber aus einem technischen Defekt versagt.“

Zur Frage, warum der Ausbruch nicht einem einzigen Polizisten aufgefallen ist, sagt Huber: „Man muss sich das so vorstellen, dass wir Kontrollgänge machen. Diese Kontrollgänge finden zu unregelmäßigen Zeiten statt. Die Flucht hat nur einige Sekunden bis zu einer Minute gedauert, genau in dieser Zeit war das unbemerkt möglich.“

„Vorkehrungen ausreichend“

Trotz gelungener Flucht erachtet Huber die vorhandenen technischen und personellen Vorkehrungen als ausreichend; erst wenn der Fall restlos aufgeklärt ist, wird über mögliche Konsequenzen beraten. Dass derzeit rund zwei Polizisten auf einen Schubhäftling „aufpassen“, lässt Huber so nicht gelten: „Generell muss man sagen, dass sich die Anzahl der Polizisten nicht nur an der Anzahl der Angehaltenen richtet, sondern wir haben sehr viele Sicherheitspositionen, die wir besetzen müssen, unabhängig davon, ob sehr viele oder nur einige Angehaltene im Anhaltezentrum sind. Man muss sich das so vorstellen, dass eine Sicherheitszentrale zu besetzen ist, dass wir Außenrundgänge absolvieren sind, dass wir Ausfahrten haben müssen.“

Ob die Entscheidung für eine private Security die richtige war, will das Innenministerium erst kommentieren, wenn klar ist, wie der Häftling flüchten konnte.

81 Schubhäftlinge im ersten Halbjahr

Das für bis zu 220 Insassen errichtete Anhaltezentrum wurde am 15. Jänner eröffnet - mehr dazu in Erste Einblicke in Schubhaft Vordernberg (18.12.2013) - und beherbergte im ersten Halbjahr insgesamt 81 Schubhäftlinge; Mitte Juli war der Belagsstand bei 27 Schubhäftlingen - mehr dazu in Vordernberg: 81 Insassen im ersten halben Jahr (15.7.2014). Laut FPÖ, die sich auf Informationen auf eine parlamentarische Anfrage an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bezog, belaufen sich die monatlichen Personal- und Betriebskosten auf 853.000 Euro.

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