Beamte in Vordernberg verletzt: „Ausnahmefall“

Bei einer Auseinandersetzung mit Schubhäftlingen sind im Anhaltezentrum Vordernberg fünf Polizisten teils schwer verletzt worden. Der Leiter des Zentrums spricht von einem Ausnahmefall.

Vordernberg
ORF
Das Schubhaftzentrum Vordernberg kommt nicht aus den Schlagzeilen: Verzögerung bei der Inbetriebnahme 2014, mangelnde Auslastung und Fluchtversuche sorgten für Aufregung. Im Vorjahr zerpflückte der Rechnungshof das Zentrum als unwirtschaftlich. Mittlerweile sind in Vordernberg 120 Personen untergebracht, die auf ihre Abschiebung warten.

Zu dem Vorfall war es nach der Maßnahme einer Mitarbeiterin des privaten Sicherheitsdiensts gekommen: Aufgrund einer bevorstehenden Verlegung sollte die Frau am Montag einem 20-jährigen Nigerianer dessen ID-Karte abnehmen. Der Mann weigerte sich aber - und bedrohte die Angestellte mit der Faust.

Bewaffnet mit Stuhlbeinen

Daraufhin holte die Frau sich Beamte zu Hilfe. Als diese in die offen geführte Wohngruppe kamen, stellten sich drei weitere Nigerianer schützend vor ihren Landsmann. Es kam zu Übergriffen: Gegen die mit abgebrochenen Stuhlbeinen bewaffneten Insassen setzen die Polizisten Pfefferspray ein. Fünf Beamte wurden verletzt - drei unter ihnen schwer - weshalb Verstärkung angefordert wurde. Die zusätzlichen Streifen konnten die Nigerianer schließlich überwältigen.

Besonders hohes Aggressionspotential

Ein derart hohes Aggressionspotential sei laut dem Leiter des Anhaltezentrums, Herwig Rath, noch nie dagewesen. Zu Vorfällen könne es aber immer kommen, da die Situation für die untergebrachten Schubhäftlinge durchaus belastend sei.

Gang Schubhaftzentrum Vordernberg
APA/Erwin Scheriau
Gang im Schubhaftzentrum Vordernberg

„Für den Angehaltenen ist das hier in Österreich die letzte Station seines Aufenthalts. Je näher der Abschiebungstermin kommt, desto mehr wird die Situation verstärkt - speziell wenn er dorthin abgeschoben wird, wo er vielleicht nicht hinwill - dass er versucht, die Abschiebung mit allen Mitteln zu verhindern - und das dürfte in diesem Fall der Grund gewesen sein“, so Rath.

„Betreuungssystem ist beispielgebend“

Personalknappheit sei kein Thema - und auch in der Betreuung sieht Rath keine Mängel: „Das Betreuungssystem ist beispielgebend - wir haben eigenes Betreuungspersonal durch die private Dienstleistungsfirma, die bei uns arbeitet - mit Sportprogramm im Freien und Indoor. Wir haben eine eigene Bibliothek, also es ist für ausreichend Betätigungsfeld gesorgt. Zusätzlich haben wir auch eine psychologische und psychiatrische Behandlung: Wir haben Sozialarbeiterinnen da, die sich mit unserem Klientel täglich beschäftigen.“

Besuchsraum Schubhaftzentrum Vordernberg
APA/Erwin Scheriau
Der Besuchsraum des Schubhaftzentrums Vordernberg

Lob für die Rahmenbedingungen im Schubhaftzentrum Vorderberg gab es 2015 auch vom Europarat. Das Anti-Folter-Kommittee hat die menschenrechtlichen Standards der Unterbring und der angebotenen Aktivitäten damals als „beeindruckend hoch“ bezeichnet.

Keine Veränderungen geplant

Dass die Betreuung der angehaltenen Männer durch eine Mitarbeiterin durchgeführt wurde, sieht Rath übrigens nicht als Hauptgrund für die Ausschreitung: „Die Möglichkeit ist nicht auszuschließen, ist aber sicher nicht der ausschlaggebende Grund.“

Veränderungen soll es nach dem Zwischenfall am Montag keine geben - man führe so oder so laufend Evaluierungen durch. Derzeit befinden sich die Männer im Alter von 20 bis 31 Jahren in Sicherheitsverwahrung. Sie wurden wegen schwerer Körperverletzung, Widerstands gegen die Staatsgewalt und Sachbeschädigung angezeigt.

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