Metaller: Trotz Einigung angespannte Stimmung

Bei den Lohnverhandlungen für den Metaller-Kollektivvertrag gibt es eine Einigung - und dennoch: Trotz des Abschlusses bleibt die Stimmung zwischen den Sozialpartnern angespannt. Was die Signalwirkung angeht, heißt es abwarten.

Die 130.000 Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie bekommen für die nächsten zwölf Monate drei Prozent mehr Lohn und Gehalt. Das ist das Ergebnis der sechsten Verhandlungsrunde, die Donnerstagabend zu Ende ging - mehr dazu in Ergebnis in sechster Verhandlungsrunde (news.ORF.at).

Neben der Steigerung der KV- und Ist-Löhne steigen auch die Auslandsdiäten um 1,9 Prozent, die Reisekostenvergütung wird schrittweise jedes Jahr um die KV-Erhöhung plus zusätzlich um drei Euro erhöht - bis das inländische Niveau erreicht ist. Bei den Karenzen werden für die Vorrückungen künftig bis zu 22 Monate je Kind angerechnet - bisher waren es 16 Monate.

Metaller-KV-Einigung
Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/WIFO/Verhandler

Die Zulagen und Lehrlingsentschädigungen werden um drei Prozent erhöht, die Aufwandsentschädigungen um 1,9 Prozent. Im Gegenzug kommen die Arbeitnehmer den Arbeitgebern bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit entgegen, indem die Zeitkontovereinbarung um weitere zwei Jahre verlängert wird - sie war bis heuer befristet. Der Mindestlohn liegt nun bei 1.838,58 Euro brutto. Die Regelung gilt rückwirkend mit 1. November.

Gewerkschaft: „Ein sehr guter Abschluss“

Der Landesvorsitzende der Produktionsgewerkschaft, Andreas Martiner, zeigt sich zufrieden: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis, im Gesamtpaket ist es ein sehr guter Abschluss, und die Konjunktur spricht auch für diesen guten Abschluss.“

Arbeitgeber: „Am Rande der Verzweiflung“

Auf Arbeitgeberseite ist man zwiegespalten: „Auf der einen Seite sehen wir das als Anerkennung für unsere Beschäftigten, auf der anderen Seite muss man schon sagen, dass wir natürlich auch mit der Verhandlungsführung - Streikdrohungen, Betriebsversammlungen, Abbruch - nicht ganz zufrieden sind, und da denken wir schon nach, ob wir das in Zukunft nicht anders haben wollen“, kritisiert der Fachverbandsobmann der metalltechnischen Industrie, der Steirer Christian Knill, den rauen Ton der Gewerkschaften. Es sei eine Verhandlungsführung „am Rande der Verzweiflung“ gewesen, so Knill. Von Gewerkschaftsseite heißt es dazu allerdings nur: „Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück.“

Volkswirt: „Gerade noch verträglich“

Volkswirt Michael Steiner hält die Erhöhung von drei Prozent für die Unternehmen gerade noch verträglich - vier Prozent, wie die Arbeitnehmerseite ursprünglich gefordert hatte, hätten viele Betriebe wirtschaftlich nicht durchgestanden: „Wir müssen ja auch sehen, dass die einzelnen Unternehmen sehr unterschiedliche Produktivitäten haben - sehr gute Unternehmen hätten vier Prozent vielleicht vertragen, aber der große Schnitt nicht.“

Der Arbeits- und Sozialrechtsexperte Günther Löschnigg meint, dass der Abschluss ein gutes Ergebnis sei, das den wirtschaftlichen Erwartungen entsprechen würde: „Wenn man etwa von einem Bruttoeinkommen von 2.000 Euro ausgeht, werden monatlich netto 32 Euro herausschauen, bei 2.500 Euro brutto sollten monatlich zusätzlich 40 Euro netto dazukommen.“

Signalwirkung? Eher eine Tendenz

Den Metallerergebnissen wird traditionell eine gewisse Signalwirkung für andere Branchen bei den Kollektivvertragsverhandlungen nachgesagt - Löschnigg warnt hier aber davor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen: „Wir haben ja sehr viele Kollektivverträge. Um einige Beispiele zu nennen - für Friedhofsgärntner, für Golfanlagen Kärnten, für die Konditoren Vorarlberg usw. - da kann man jetzt nicht einfach das Ergebnis der Metaller übertragen. Hinzu kommt ja, dass wir in manchen Branchen nicht den klassischen wirtschaftlichen Erfolg haben - denken sie an einen Kollektivvertrag für die Universitäten oder der Sozialwirtschaft, dort gibt es nicht den klassischen Gewinn.“

Auch Volkswirt Michael Steiner sieht darin nur eine Tendenz: „Die Metaller sind eine Branche, die sehr produktiv ist, damit ist es nicht automatisch eine Vorgabe für andere Branchen, die nicht diese Produktivitätsentwicklung haben. Was aber damit angezeigt ist, dass durchaus höhere Zuwächse als im vergangenen Jahr möglich sind und geben wird.“

Eine wesentliche Signalwirkung sieht der Arbeits- und Sozialrechtler Günther Löschnigg aber doch: Der neue Mindestlohn bei den Metallern wird bei 1.838 Euro liegen - deutlich über den 1.500 Euro, die die Sozialpartner im Frühjahr ausverhandelten.

Link:

Werbung X