HCB-Strohballen: Südsteiermark im Gespräch

12.000 verseuchte Heuballen, die in Kärnten lagern, müssen verbrannt werden - nur wo? Nachdem Niederösterreich abgelehnt hat, herrscht Aufregung in der Steiermark: Gerüchten zufolge sollen die Ballen in Mureck verbrannt werden.

Vor mehr als drei Jahren wurde bekannt, dass bei der Verbrennung von verseuchtem Blaukalk in Kärnten der Giftstoff Hexachlorbenzol (HCB) in die Luft gelangt war. Bei darauffolgenden Tests wurde HCB in Milch und Futtermitteln sowie im Blut von Menschen aus der Region gefunden.

Die Wietersdorfer Zementwerke, von denen der HCB-Skandal ausgegangen war, sind für die Entsorgung der 12.000 Heuballen zuständig. 7.000 von ihnen hätten in Niederösterreich verbrannt werden sollen - mehr dazu in „Nein“ zu HCB-Heuballen aus Kärnten (noe.ORF.at). Doch das Land legte sich quer: Wenn die HCB-Werte der Heuballen unbedenklich sind, können sie auch in Kärnten verbrannt werden; wenn sie bedenklich sind, hätten sie in Niederösterreich nichts verloren - mehr dazu in Umweltanwalt prüft Causa um HCB-Heuballen (noe.ORF.at).

„Nachhaltigkeit steht an erster Stelle“

Jetzt scheint die Steiermark als möglicher Entsorgungsort im Gespräch zu sein: Mehrere steirische Betriebe sollen die Einladung zu einem Informationsgespräch kommende Woche erhalten haben - so auch ein Betrieb aus Mureck, sagt der regionale Landtagsabgeordnete Anton Gangl (ÖVP).

Heuballen HCB Wietersdorfer
ORF

Er spricht sich klar gegen eine Verbrennung in der Südsteiermark aus: „Wir sind als Region dafür bekannt, dass Nachhaltigkeit an erster Stelle steht. Wir sind eine touristische Region, eine kulinarische Region. Das ist auch unsere Zukunft, und die wollen wir uns mit so einer Aktion nicht verbauen.“

Klares Nein auch vom Bürgermeister

Gangl befürchtet, dass bei der Verbrennung HCB übrig bleiben könnte, und es sei nicht klar, was mit diesen Reststoffen gemacht werden soll. Ein klares Nein zur Verbrennung der Heuballen kommt auch vom Murecker Bürgermeister Anton Vukan (SPÖ): „Da wird überhaupt nichts entsorgt werden. Das kommt nicht in Frage und wird auch nicht angedacht.“

Lang: „Keine detaillierten Informationen“

Klar gegen die Entsorgung der HCB-belasteten Heuballen in der Steiermark ist auch SPÖ-Umweltlandesrat Anton Lang (SPÖ): Das Land habe über das tatsächliche Material keine detaillierten Informationen, weshalb es nicht möglich sei, die Stoffe hinsichtlich Gefährlichkeit einzustufen, so Lang. Rechtlich könne das Land es nicht verbieten, einen Antrag zu stellen, um die Verwertung des belasteten Materials zu genehmigen, Lang appelliert jedoch an die potenziellen Anlagenbetreiber, das Material nicht zu entsorgen.

Damit haben die Wietersdorfer Zementwerke ein Problem: Sie müssen die Ballen bis Ende Jänner 2018 loswerden - mehr dazu in HCB-Heuballen Entsorgung in Ferne gerückt (5.12.2017) -, sonst ist ein Altlastensanierungsbeitrag von 600.000 Euro fällig.

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