Zugsunglück: Südbahn bleibt unterbrochen

Nach der Kollision zweier Züge in Niklasdorf im Bezirk Leoben bleibt der Streckenabschnitt zwischen Bruck an der Mur und Leoben bis Mittwoch gesperrt. Die Unfallurasche ist noch unklar. Eine Frau wurde bei dem Unfall getötet.

Der Unfall zwischen einem EuroCity und einem Regionalzug ereignete sich am Montag gegen 12.45 Uhr in der Nähe des Bahnhofes von Niklasdorf. Dadurch dürfte es zu schweren Schäden an Masten und Oberleitungen gekommen sein. Inwieweit das Gleisbett in Mitleidenschaft gezogen wurde, lässt sich noch nicht sagen. Die Aufräumarbeiten an der Unfallstelle haben bereits begonnen: Die Strecke muss repariert, die Züge abtransportiert werden.

Schienenersatzverkehr eingerichtet

Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. Für Zugsverbindungen zwischen Villach und Wien müssen Passagiere im Streckenabschnitt Bruck an der Mur - Leoben Hauptbahnhof auf Busse umsteigen; zwischen Graz und Salzburg wurde der Schienenersatzverkehr zwischen Graz Hauptbahnhof und St. Michael eingerichtet.

Unfallursache weiterhin unklar

Was zu dem Zugsunglück führte, ist weiterhin offen. Ob es sich um eine defekte Weiche gehandelt habe oder ob Bauarbeiten im Bereich des Bahnhofes zu dem Unfall geführt hätten, könne man derzeit weder bestätigen noch ausschließen, sagte ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger. Laut Polizeisprecher Markus Lamb hat das Landeskriminalamt Steiermark die Ermittlungen zur Unfallursache übernommen.

„Es werden erst die Spuren gesichert, dann in weiterer Folge die ganzen Datenspeicher ausgewertet. Hier gibt es eine Fülle an zu untersuchendem Material. Das dauert natürlich“, so Hahslinger. Zu diesem Material gehören beispielsweise die Auswertung der Fahrtenschreiber sowie die Signalstellungen und sogenannten Zufahrtsstraßen der Züge. Man unterstütze die Polizei und die Unfalluntersuchungsstelle des Bundes bei ihren Ermittlungen am Unfallort, sagte der ÖBB-Sprecher.

„Auf einmal hat alles gewackelt“

„Wir sind langsam gefahren, und dann auf einmal hat alles gewackelt. Die Scheiben sind auf der Seite reingekommen“, sagt Sophie Schüller - die Frau war Passagier in einem der Züge. Sie habe das Ausmaß des Unfalls anfangs gar nicht richtig mitbekommen: „Ich bin später ausgestiegen und habe dann erst gesehen, was da passiert ist“, so Schüller.

Zugsunglück Niklasdorf
ORF

Flankenkollision führte zu Entgleisung

Der EuroCity (EC 216) der Deutschen Bahn mit Kurs von Graz nach Saarbrücken war von Bruck an der Mur in Richtung Leoben unterwegs und hätte den Bahnhof Niklasdorf ohne Halt passieren sollen. Der andere Zug, ein Regionalzug (R 1708) mit Kurs von Friesach in Kärnten nach Mürzzuschlag, fuhr in die entgegengesetzte Richtung, also von Leoben nach Bruck.

Nach dem Halt des Regionalzugs am Bahnhof von Niklasdorf kam es im Weichenbereich nahe dem Bahnhof zu einer Flankenkollision: Dabei prallte der R 1708 seitlich gegen den EuroCity, die Züge kollidierten also am gleichen Bahngleis. Die Seitenwand eines Abteils des EuroCity wurde aufgerissen, Teile der Zuggarnituren sprangen aus den Schienen.

Zugsunglück Niklasdorf
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Auch drei Kinder unter den Verletzten

Eine Frau erlag noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen - über ihre Identität ist noch nichts Näheres bekannt, sie dürfte nach Informationen der Polizei im EuroCity gesessen sein. Die Staatsanwaltschaft ordnete die Obduktion der Leiche an.

22 Personen, darunter drei Kinder, wurden nach bisherigen Informationen leicht verletzt - sie wurden vom Roten Kreuz in umliegende Spitäler eingeliefert. Einige Personen standen unter Schock. Ein Großteil der Verletzten habe sich in dem EuroCity befunden, sagte Polizeisprecher Lamb. Rund 60 Passagiere und Bedienstete waren aus den beiden Zügen zu bergen.

Rat und Hilfe für Angehörige

Angehörige der Opfer können sich unter der Nummer 059 133 60 2222 für Rat und Hilfe an die Landesleitzentrale der Polizei wenden.

Laut ÖBB war der Rettungseinsatz gegen 14.30 Uhr abgeschlossen. Das Rote Kreuz war mit 19 Rettungs- und zwei Notarztfahrzeugen am Unfallort. Drei Feuerwehren mit 42 Einsatzkräften und sieben Fahrzeugen waren im Einsatz. Die Feuerwehrleute mussten teils hydraulische Rettungsgeräte einsetzen.

Anteilnahme von der Landesspitze

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) drückte via Aussendung den Hinterbliebenen des Todesopfers seine Anteilnahme aus und wünschte den Verletzten eine rasche Genesung: „Das tragische Zugsunglück in Niklasdorf zeigt, wie wichtig die haupt- und ehrenamtlichen Helfer von Feuerwehr und Rotem Kreuz für unsere Gesellschaft sind", so Schützenhöfer. Auch sein Stellvertreter Michael Schickhofer (SPÖ) dankte den Einsatzkräften, „die weiterhin ihr Bestes geben und wieder einmal den Zusammenhalt in schweren Stunden verkörpern“.

Als „schreckliches Unglück“ bezeichnete der steirische Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) laut einer weiteren Aussendung den Zusammenstoß der Personenzüge: „Mein tiefstes Mitgefühl gilt in diesen tragischen Stunden der Familie der Verstorbenen sowie allen beim Unfall Verletzten“, so Lang, der eine lückenlose Aufklärung der Unfallursache forderte. Die Ermittlungen werden nun vom Landeskriminalamt übernommen.

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