Pflegewarnstreik: Mitarbeiter ausgesperrt

Mitarbeiter eines Sozialvereins in Deutschlandsberg sind im Zuge eines Warnstreiks am Freitag von ihrem Chef ausgesperrt worden. Dieser begründet sein Handeln damit, dass im Büro zu wenig Platz für eine Betriebsversammlung sei.

In rund 200 Sozialbetrieben in Österreich sind am Donnerstag und am Freitag Warnstreiks abgehalten worden. Grund sind die Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft, die auch nach fünf Runden keine Einigung gebracht haben.

Mitarbeiter standen vor verschlossener Tür

Kurios verlief der Warnstreik in Deutschlandsberg: Dort wurden die Beschäftigten vom Chef ausgesperrt. Die Mitarbeiter des Sozialvereins wollten von 8.00 bis 11.00 Uhr ihre Arbeit niederlegen. Bei Minusgraden standen die rund 35 Personen dann aber vor der verschlossenen Tür. Der Obmann des Vereins ließ nur jene Mitarbeiter ins Haus, die tatsächlich zum Arbeiten gekommen waren, und zog damit den Unmut der Gewerkschaft auf sich: „Das habe ich noch nie erlebt, dass einer in der Früh seine Mitarbeiter draußen stehen lässt und nicht reinlässt. Wir haben gewusst, dass er drinnen steht“, so Gewerkschaftsvorsitzender Horst Schachner.

Auch für den Gewerkschafter Norbert Schunko ist die Reaktion unverständlich: „Ich würde sagen, der Geschäftsführer sollte in sich gehen und seine Eitelkeit verlieren und ganz normal mit uns reden, dann haben wir keinen Stress.“

Streik
ORF
Rund 35 Personen kamen zum Warnstreik nach Deutschlandsberg.

Kein Platz für Warnstreik

Der Obmann des Vereins, Josef Steiner, gibt an, dass er die Aufregung nicht verstehe. Der Betriebsrat habe ihn am Mittwoch über den Warnstreik in Kenntnis gesetzt. Er selbst hat daraufhin in einem Schreiben den Arbeitnehmern nahegelegt, ihre Arbeit nicht niederzulegen: „Es gibt Leute, die arbeitswillig sind, die arbeiten. Auch ich habe einige Termine und habe meinen Arbeitsplatz hier. Ich kann da nicht 20, 30, 40 Leute in diesem kleinen Büro brauchen. Wir wollen arbeiten, sie müssen sich ein anderes Lokal suchen“, so Steiner.

Die Gewerkschaft fordert in den Kollektivvertragsverhandlungen unter anderem eine Verringerung der Arbeitszeit auf eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. „Weil die Menschen, die im Pflegebereich arbeiten, ziemlich ausgepowert sind, und wir haben einen hohen Anteil von Teilzeitbeschäftigen. Es muss sich auch lohnen zu arbeiten“, so Schunko. Die Arbeitnehmer hoffen jetzt auf ein Einlenken der Arbeitgeber.

Auf den Abbruch der Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft ist mit einem zweitägigen Streik reagiert worden. Die Arbeitnehmer fordern mehr Geld und eine Verkürzung der Arbeitszeit - Forderungen, die auf Arbeitgeberseite gar nicht gut ankommen - mehr dazu in Pflege: Arbeitgeber sehen „Kampfrhetorik“ (14.2.2017).

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