Frauentag: Informatikerinnen gesucht

Am Frauentag am Donnerstag kritisieren Frauenorganisationen schlechtere Karrieremöglichkeiten und niedrigere Einkommen für Frauen in vielen Bereichen. In Graz will man nun Mädchen motivieren, Informatikerin zu werden.

Ein Fünftel der Informatik-Studenten an der TU Graz sind Frauen - viel zu wenige, findet Stefanie Lindstaedt, TU-Professorin und Geschäftsführerin des Forschungszentrums Know-Center, das große Datenmengen analysiert und Unternehmen auf diese Weise hilft, neue Produkte und Services zu entwickeln.

Lange Nacht der Forschung

Bei der Langen Nacht der Forschung am 13. April haben Interessierte die Möglichkeit, im Know-Center in Graz Informatik hautnah zu erleben.

Großer Mangel

Der Mangel an Informatikern in sehr technischen Bereichen wie Automotive oder Maschinenbau, aber auch in Krankenhäusern sei groß, so Lindstaedt: „In der Steiermark alleine fehlen bis zu 3.000 Software-Entwickler- und Entwicklerinnen.“

Soziale Kompetenz gefragt

Viele Frauen würden sich eine Informatik-Ausbildung nicht zutrauen, zudem habe man oft das Bild vom Hacker vor Augen, der nur wenig mit Menschen zu tun hat, sagt Lindstaedt - das stimme aber nicht, denn es gehe immer darum, mit den Nutzern eng zusammenzuarbeiten, also auch um soziale Kompetenzen.

Nicht überall ist Technik ein „Männerfach“

Was als klassischer „Männerberuf“ oder „Frauenberuf“ gilt, ist nicht überall auf der Welt gleich. Das könnte erklären, warum es in Ländern mit geringer Gleichberechtigung relativ viele Technikerinnen gibt - mehr dazu in Nicht global: Der männliche Techniker

Analytische Fähigkeiten notwendig

Oft gehe es auch darum, aus riesigen Datenmengen praktische Erkenntnisse zu ziehen, etwa in der Medizin oder im Automobilbereich: „Das kann eben in der Medizin sein, wenn ich schaue, wie verlaufen die unterschiedlichen Behandlungsprozesse bei den unterschiedlichsten Patienten, was kann ich daraus lernen auf die Anwendbarkeit von gewissen Therapien. Das geht bis hin zur Analyse von Motordaten, wo ich herauskriegen kann, ob der Motor in der bestausgelasteten Situation läuft oder nicht, wann kann ich vorhersagen, wann Probleme auftreten werden oder nicht.“

Gut mit Familie zu vereinbaren

Auch die Analyse von Verkehrsdaten, um Unfälle zu reduzieren, sei ein Beispiel, sagt Lindstaedt. Zudem könnten Informatikerinnen Beruf und Familie sehr gut vereinbaren: „Ich kann das von überall auf der Welt tun. Im allgemeinen gibt es Telearbeitsplätze, und die Bezahlung ist sehr gut im Verhältnis zu vielen anderen Berufen.“

Die Kategorie „Frauen“ in der Politik

100 Jahre Wahlrecht für Frauen - dieses Jubiläum steht heuer auch im Mittelpunkt des Frauentags. Für die Historikerin Johanna Gehmacher hatte das Frauenwahlrecht, gerade auch nach 1945, den scheinbar „paradoxen Effekt“, dass mit der rechtlichen Gleichstellung die pauschalisierende Rede von „den Frauen“ in der Politik an Bedeutung gewann. Im Gespräch mit ORF.at betont sie: Damals wie heute müsse man aber immer hinterfragen: „Was hat jemand davon, wenn er behauptet, etwas für Frauen zu tun“ - mehr dazu in „Paradoxe Effekte“ des Frauenwahlrechts (news.ORF.at).

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