„Näher zusammenrücken“ in Graz
„Dense cities“ - von der TU Graz und dem Haus der Architektur initiiert und vom Forum Stadtpark unterstützt - hat sich zum Ziel gesetzt, in Graz ein qualitatives, vielfältiges und anpassungsfähiges Lebensfeld zu schaffen - nicht mit Ausweitung der Außengrenzen, sondern mit einem gezielten „Nachverdichtungsplan“ des Stadtkerns.
Lebensraum Stadt
Studien und Prognosen belegen, dass sich der Lebensraum der Menschen auch in Zukunft immer mehr in die Stadt verlagern wird - laut UNO werden bis 2050 rund 70 Prozent der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten leben. Grund genug, architektonische Planungsansätze für ein „näheres Zusammenrücken“ im urbanen Lebensraum zu entwickeln - genau das tut das Projekt „dense cities“.

Der Hut brennt
Projektinitiator Hans Gangoly definiert seine Anstöße klar: „Der Hut brennt, da sich die ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen deutlich verändert haben und dies noch weiter tun werden. So entsteht die Notwendigkeit, in der Stadt näher zusammenzurücken, was wiederum eigene Rahmenbedingungen verlangt, die im momentanen Stadtentwicklungsplan nicht gewährleistet werden.“ Genau diese Bedingungen will „dense cities“ architektonisch schaffen.
Mehr soziale Interaktion
Gangoly weiter zu den Zielen: „Verdichtung auf architektonischer Ebene bedeutet nicht Bevölkerungsdichte und bauliche Dichte. Es geht darum, dass durch das menschliche Zusammenrücken mehr soziale und kulturelle Interaktion entsteht, das ist ein ganz wichtiger Aspekt - man will gesellschaftlich zusammenrücken, indem man neuen Lebensraum in bereits vorhandenen urbanen Strukturen schafft.“

Gemeinsamer öffentlicher Raum
Zudem soll öffentlicher Raum zukünftig besser genutzt werden. Laut Gangoly geht es nicht primär darum, höher oder dichter zu bauen, sondern Qualitäten zu erzeugen, die eben auch nur durch Dichte möglich sind. Leere, ungenutzte Grünflächen oder durch Zäune zerteilte Innenhöfe sollen Platz bieten für Gemeinschaftraum.
Alternativen zum Einfamilienhaus
Das Projekt sieht sich als Alternative zum klassichen Modell des Einfamilienhauses, das speziell in Österreich einen hohen Stellenwert einnimmt. Jedoch könne ein noch so gut gedämpftes Einfamilienhaus irgendwo in der Landschaft nicht über ökologische Nachteile und unvorteilhafte Positionierung hinwegtäuschen.
Plüddemanngasse und Gründerviertel
Als konkrete Beispiele werden in der Ausstellung Umgestaltungsideen etwa zu Häusern und öffentlichem Raum im Grazer Gründerzeitblock und der Plüddemanngasse vorgestellt: Bauliche Weiterentwicklungen sollen dort den öffentlichen Raum besser gemeinschaftlich nutzbar machen - etwa durch Grünanlagen oder Fußgängerzonen. Eine Spar-Filiale soll mit zwei Wohnungsblöcken umrahmt werden, um neuen Wohnraum zu schaffen.

Stolpersteine überspringen
Auf dem Weg zum Ziel, das langfristig über zehn, 20 oder 30 Jahre hin verwirklicht werden und danach wirken soll, gibt es natürlich auch Stolpersteine. Bevor man bauliche Umsetzungen durchführen kann, muss laut Gangoly ein allgemeines Umdenken auf Seiten der Politik, Behörde und den Bürgerinitiativen passieren.
Vorurteile ablegen
Festgefahrene Meinungen und Vorstellungen müssen beseitigt werden. Eine Verdichtung der Stadt nach den Plänen der Studenten bedeute nämlich weder weniger Grünraum, der durch Umgestaltung ungenützten öffentlichen Raums sogar erweitert werde, noch ein höheres Verkehrsaufkommen, da mehr Bewohner im Stadtkern weniger Pendlerverkehr bedeute.

