Die Front des Lebens

Gina Kaus war eine der erfolgreichsten österreichischen Schriftstellerinnen der 20er-Jahre. Zum Gedenkjahr wurde nun ihr Roman „Die Front des Lebens“ neu verlegt, wo es um die Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg geht.

Der Krieg liegt in den letzten Zügen, Renate Ebenstein empfängt in ihrer Hietzinger Villa aber nach wie vor Gäste - ihrem feudalen Lebensstil konnten die Kriegsjahre noch nichts anhaben.

"Die Front des Lebens"
Metroverlag

Buchtipp:

„Die Front des Lebens“ von Gina Kaus (ISBN 978-3-99300-182-7) ist im Metroverlag erschienen und kostet 24,90 Euro.

Ein leiser Abstieg

Die Witwe eines wohlhabenden Fabrikanten erfährt erst nach und nach, wie einschneidend die politischen Umwälzungen sich auf ihr Leben auswirken. Der Abstieg macht sich scheinbar harmlos bemerkbar: Renate macht sich Gedanken, wie es wohl sei mit nur drei, vier Bediensteten, in nur sieben oder acht Zimmern zu leben.

Diese ersten Kratzer in ihrem luxuriösen Leben werden aber nach und nach deutlicher sichtbar: Nach Kriegsende schwindet ihr Vermögen, der Sohn, der als Soldat an der Front war, fühlt sich als Versager und verspekuliert sein gesamtes Erbe, die künstlerisch begabte Tochter widmet sich nur ihren ständig wechselnden Liebhabern - und Renate selbst fühlt sich mit gerade 40 Jahren alt.

Neue Zeiten - schwere Entscheidungen

Sie fühlt sich zu einer Entscheidung gedrängt, dass sie nach dem Tod ihres Mannes wieder heiraten muss: Da ist einerseits ihr langjähriger Liebhaber, der Arzt Walter Lehnert, der ihren Mann behandelt hatte - er war die Liebe ihre Lebens, aber ist mittellos und auch gar nicht an einem luxuriösen Leben interessiert. Dann gibt es noch den alten Stiasny, einen langjährigen Mitarbeiter ihres Mannes - ein Mittelding zwischen „Kammerdiener und Hofmeister“ - wie Renate ihn beschreibt. Dieser alte Stiasny ist aber derjenige, der sich am besten mit den neuen Zeiten arrangiert und damit als Heiratskandidat in Frage kommt.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 21.12.2014

In scheinbar harmlosem Plauderton schreibt Gina Kaus auch über die Folgen der Kriegsgreuel, die zum Beispiel Dr. Lehnert in seiner täglichen Arbeit im Krankenhaus erlebt, und die Autorin erkennt auch schon die Gefahren der aufkeimenden deutschnationalen Strömungen, für die die jungen Männer, die aus dem Krieg kommen und in der Gesellschaft nicht Fuß fassen können, besonders anfällig sind.

„So wird Literatur gemacht“

„Die Front des Leben“ ist im Jahr 1928 als Fortsetzungsroman in der Arbeiterzeitung erschienen und wurde jetzt zum ersten Mal als Buch aufgelegt. Im Vorwort liest man von Marlene Streeruwitz: „Dieser Roman muss gelesen werden, weil er Unterhaltungsmethoden benutzt, die Wahrheit zu schreiben. So wird Literatur gemacht.“

Barbara Echsel-Kronjäger, ORF Steiermark

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