Art Machine: Kunst zum Mitnehmen

Dass ausrangierte Zigarettenautomaten nicht zwangsläufig auf dem Müll landen müssen, sondern künstlerisch genützt werden können, zeigt die „Art Machine“ auf dem Hauptplatz von Pöllau.

Zigarettenautomat
Strassegger

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 7.6.2016

„Das ist ein Zigarettenautomat, der mit Euro-Münzen geht und richtig rostig war. Drinnen haben ungefähr 200 Packerl Platz. Normalerweise wären es Zigaretten, aber in diesem Fall sind es ganz kleine Kunsträume, wo Unikate drinnen sind, die steirische Künstler gestaltet haben und die man um vier Euro herausholen kann“, erklärt Michaela Zingerle vom Projekt „Styrian Summer Art“. Anstandslos spuckt der Automat, die sogenannte „Art Machine“, die kleinen Schachteln aus, die tatsächlich die Dimensionen einer Zigarettenpackung haben.

„Wie ein Bio-Wellness-Tschick“

„Jedes Päckchen enthält ein Unikat, das von einem Künstler verpackt wurde. Das ist wie beim Überraschungsei - man weiß nie, was man kriegt“, sagt Künstlerin Helga Chibidziura. „Ich habe so etwas wie ein Tool für Ex-Raucher gemacht. Es ist ein Duftkissen und sieht, wenn man es öffnet, so aus, wie 20 Zigaretten übereinander gestapelt. Das ist wie ein Bio-Wellness-Tschick, den man nicht rauchen muss.“

Zigarettenautomat
Chibidziura
Helga Chibidziura bezeichnet ihre Werke als „Bio-Wellness-Tschick“

Ebenfalls in der „Art Machine“ sind Werke der Fotografin Andrea Felber: „Normalerweise produziere ich großformatige Aufnahmen. Deshalb ist das auch sehr witzig, einmal kleinformatig zu arbeiten. Ich sehe das auch wirklich als Sammelkärtchen, die man sich auch irgendwo in ein Album reinstecken kann. Mit diesem kleinen Format werde ich sicher weiterarbeiten.“

Große Kunst auf kleinem Raum

David Schweighofer hat den Kunstautomat mit seiner Musik bestückt: „Ich habe einen Stick hineingelegt. Ich finde das lustig, weil die Musik, die wir machen, ist im großen Raum mit viel Hall und viel Delay. Und ich finde das spannend, wenn man in einen kleinen Raum so etwas Großes hineinpacken kann.“

Zigarettenautomat
Strassegger
Die leeren weißen Schachteln werden von steirischen Künstlern befüllt

Die Idee der „Art Machine“ stammt eigentlich aus Berlin und wurde über persönliche Kontakte der Künstler untereinander in die Steiermark importiert. Der Automat in Pöllau ist der erste seiner Art in ganz Österreich, erklärt Bürgermeister Johann Schirnhofer stolz: „Wir haben verschiedene Automaten hier am Hauptplatz hängen, und ich glaube, dass der Hauptplatz als zentraler Ort in Pöllau für so eine Installation perfekt passt. So kann die Kunst in Pöllau verteilt werden.“

„Wie in einer Galerie“

Wer sich in Pöllau Kunst aus dem Automaten ziehen will, braucht genau zwei Zwei-Euro-Münzen - andere Münzen mag der Automat nicht so sehr, und auch die Bezahlung mit dem Handy oder der Bankomatkarte funktionieren nicht. Mit vier Euro ist die Kunst aus dem Automaten deutlich billiger als eine Schachtel Zigaretten. Dass die Kunst durch die ungewöhnliche Darreichungsform weniger wert sein könnte, befürchtet Carmen Dreier-Zwetti von Styrian Summer Art nicht: "Der Automat selbst ist ja schon ein Kunstwerk. Was innen drinnen ist, ist ja wie in einer Galerie.“

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