Gestrandet auf einer griechischen Insel

Woher kommen Strandverkäufer, die Sonnenbrillen oder Handtücher billig anbieten, und wo leben sie wie? In „Die Gestrandete“ erzählt Alexander Maksik die Geschichte einer jungen Frau, die auf eine griechische Insel floh.

"Die Gestrandete"
Droemer-Knaur

Buchtipp:

„Die Gestrandete“ von Alexander Maksik ist bei Droemer-Knaur (ISBN 978-3-426-19974-9) erschienen und kostet rund 20 Euro

Eine dünne blaue Decke, fein säuberlich in einer Plastiktasche verstaut, ist alles, was Jacqueline bei sich trägt - sie ist auf der griechischen Insel Santorin im wahrsten Sinn des Wortes „gestrandet“.

Glücklich und gelangweilt?

Eine junge, schlanke Frau, die versucht, glücklich und gelangweilt zu erscheinen, schreibt Maksik, sie will auf keinen Fall unter all den Touristen auffallen. Glücklich und gelangweilt entspricht allerdings so gar nicht ihrer Situation: Ihr ist schlecht vor Hunger und Durst, ihr erstes und einziges Essen seit Tagen ist ein achtlos weggeworfener Schokoriegel.

Und wo soll sie schlafen? Anfangs ist es der Strand, doch da ist die Gefahr, entdeckt zu werden, zu groß. Sie findet eine Höhle, in der sie die Nächte verbringen kann. Untertags bietet sie Touristen am Strand Fußmassagen an und gibt sich als amerikanische Studentin aus, die sich ihren Urlaub auf diese Weise finanziert. Die Einsamkeit, der Hunger und die Angst sind ihre einzigen Begleiter.

Die Lebensgeschichte als Puzzle

Jacqueline ist im ständigen Zwiegespräch mit ihrer Mutter; immer wieder träumt sie von ihrer Schwester, erinnert sich an ihren Freund, einen französischen Journalisten, und an ihren Vater, der ein Vertrauter des gestürzten Präsidenten war. Dazu kommen Erinnerungen an Kindersoldaten, an frühere Stationen ihrer Flucht. Wie bei einem Puzzle fügen sich diese Erinnerungen nach und nach zu ihrer Lebensgeschichte zusammen.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 17.7.2016

„Sie suchte nach einem Ort, an dem sie bleiben konnte“, schreibt der Autor - und so fühlt sich Jacqueline nach einiger Zeit an diesem Strand nicht mehr sicher, sie wandert weiter über die Insel, und versucht weiter, wie eine Urlauberin zu wirken. Über ihre wirkliche Identität kann sie nicht sprechen - bis sie auf eine andere junge Frau trifft: Die ist Kellnerin in einem Hotel und lädt sie zum Essen ein - das gibt Jacqueline zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl, angekommen zu sein. „Hier findet meine Reise ihr Ende“ lässt Alexander Maksik sie denken, und sie wünscht sich Teil derer zu sein, die am Abend auf den Terrassen sitzen und bei einem Glas Wein zusehen, wie die Sonne untergeht - und eben bei einem Glas Wein mit der junge Kellnerin bricht Jacqueline ihr Schweigen und erzählt ihre grausame Geschichte.

„Es entzieht einem den Boden unter den Füßen“

„Die Gestrandete“ von Alexander Maksik wurde bisher in elf Sprachen übersetzt und von Kritikern als Meisterwerk gefeiert. So schreibt „The San Francisco Chronicle“: „Dieser Roman lässt einen sprachlos und außer Atem zurück; es entzieht einem den Boden unter den Füßen.“

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