Dokument über „Charlie Hebdo“-Anschlag

Zum zweiten Jahrestag des Anschlags auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ ist ein Buch erschienen: „Schatz, ich geh zu Charlie“ heißt es. Maryse Wolinski, deren Mann Georges unter den Toten war, hat es geschrieben.

Maryse Wolinski  Schatz, ich geh zu Charlie!
Residenz Verlag

Buchtipp

„Schatz, ich geh zu Charlie“ von Maryse Wolinksi (ISBN: 9783701716784) ist im Residenz Verlag erschienen und kostet 19 Euro

Der Anschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ in Paris am 7. Jänner 2015 sorgte für Entsetzen in der ganzen Welt: Zwölf Menschen wurden von zwei Terroristen kaltblütig erschossen. Dass dieses Attentat der Auftakt für eine blutige Terror-Serie in Europa sein würde, ahnte damals noch niemand.

Minutiöse Erinnerung

Zum zweiten Jahrestag erschien nun das Buch von Maryse Wolinski: „Schatz, ich geh zu Charlie“ heißt es. Maryse Wolinski, Journalistin und Autorin, war 47 Jahre lang mit dem Zeichner und Karikaturisten Georges Wolinski verheiratet.

Minutiös erinnert sie in dem Buch sich an den 7. Jänner 2015. Es ist ein Mittwoch, Redaktionskonferenz bei Charlie Hebdo. Um 9:00 Uhr verlässt er die Wohnung mit den Worten „Schatz, ich geh zu Charlie“. An dem Tag hat das Paar für 16:00 Uhr einen Besichtigungstermin in einer neuen Wohnung. Um 11:00 Uhr hat Maryse einen Termin, bei dem sie ihr Handy abschaltet. Wenige Minuten später steigen vor der Redaktion von „Charlie Hebdo“ drei schwarz gekleidete Männer mit Sturmhauben aus einem Auto.

Harte Kritik

Bei der Rekonstruierung der Vorgänge bis zum Eindringen der Redaktionsräume von Charlie Hebdo stößt Maryse Wolinski auf zahlreiche Versäumnisse und Sicherheitsmängel. Als nicht sehr rühmlich bezeichnet Maryse Wolinski auch die Rolle der Behörden nach dem Attentat - sie wurde stundenlang nicht informiert, dass ihr Mann tot ist, und auch danach kann ihr tagelang niemand sagen, wo sein Leichnam ist, schreibt sie.

Sendungshinweis:

"Guten Morgen, Steiermark, 8.1.2017

Aber auch das Management von Charlie Hebdo muss sich Kritik gefallen lassen: Trotz der Warnung von Experten hätte es viel zu wenige Sicherheitmaßnahmen getroffen und auch Versprechen gegenüber den Hinterbliebenen der Opfer nicht eingehalten, schreibt die Autorin.

Bemühen um Verstehen

Es sei ihr wichtig gewesen zu verstehen, was da genau passiert, sagt Wolinski. Sie musste eine Möglichkeit finden, mit ihrer Wut umzugehen, das Buch ist aber auch eine Liebeserklärung an ihren Mann.

Die kleinen Nachrichten

So sind am Titel mehrere „post its“ mit Nachrichten von Georges Wolinski an seine Frau zu sehen - diese Nachrichten hinterließ er immer auf einem kleinen Tisch am Eingang für sie, wenn sie allein ausging. Sie bewahrte diese Zettel in einer Schreibtischlade auf, und als sie ihre neue Wohnung bezog, befestigte sie die gelben, weißen und rosafarbenen Zettel an den Wänden.

Link:

Werbung X