„Schlechtes Deutsch“ am Grazer Schauspielhaus

Kunstsprache oder einfach nur schlechtes Deutsch? Darüber kann nun im Grazer Schauspielhaus bei der Bühnenadaption von Tomer Gardis Roman „Broken German“ diskutiert werden.

Mit seinem in gebrochenem Deutsch mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern verfassten Text „Broken German“ hat der israelische Autor Tomer Gardi 2016 die Bachmannpreis-Jury entzweit.

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 1.12.2017

Ist es eine Kunstsprache, die die Vielstimmigkeit einer multikulturellen Gesellschaft abbildet? Oder schlicht und einfach schlechtes Deutsch, mit dem der Autor den sogenannten Bildungskanon auf die Probe stellt? Die Diskussion darüber kann nun wieder aufgenommen werden, denn Gardis im Grazer Droschl-Verlag erschienener Roman wurde am Grazer Schauspielhaus für die Bühne adaptiert.

„Es ist schön, etwas in Bewegung zu bringen“

In einem Kibbuz in Galliläa aufgewachsen, lebte Tomer Gardi im Alter von zwölf Jahren für kurze Zeit in Wien und lernte Deutsch durch Hören und Sprechen. Er studierte in Israel und Berlin. Sein Roman „Broken German“ wurde vom deutschen Feuilleton unter anderem als „Schatz“ bezeichnet und löste beim Bachmannlesen Diskussionen aus.

„Im Grunde genommen erwartet der Text so eine Reaktion - in dem Sinn habe ich mehr oder weniger gewusst, was ich mache. Ich wusste aber nicht, wie es akzeptiert wird. Ich fand es aber schön, dass es etwas in Bewegung gebracht hat“, so Gardi.

Broken German am Grazer Schauspielhaus
Lupi Spuma / Schauspielhaus Graz

Tomer Gardi bricht mit „Broken German“ eine Lanze für die Sprachenvielfalt, der Roman ist aufgrund vieler Momentaufnahmen und Schauplätze gar nicht so leicht zusammenzufassen. Die Helden seines Romans sind jedenfalls Migranten wie er auch.

Jeder könne sich ein eigenes Bild machen, er wollte jedenfalls als Nicht-Muttersprachler auf Deutsch schreiben, so Gardi: „Ich wollte für mich sehen, wie es ist, in einer Sprache zu schreiben, die ich nicht beherrsche - und was die Beziehungen zwischen Sprache und Herrschaft sind. Ich wollte wissen, was passiert, wenn man ohne Herrschaft schreibt.“

„Wie wenn kleine Kinder eine Sprache lernen“

Regisseur der Bühnenadaption ist Dominic Friedel - er sagt, der Text habe ihn extrem bereichert: „Es ist, wie wenn kleine Kinder eine Sprache lernen, die sagen auch Worte falsch, aber die sind oft viel schöner als jene, die ich verwende. Bei diesem Text ist es mir ähnlich ergangen. Ich hatte eine große Freude, einen anderen Blick auf das zu bekommen, das scheinbar normal ist. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt, nachdem ich den Roman gelesen habe, viel genauer hinhöre, wie Leute sprechen.“ Friedels Ziel ist es, die Vielstimmigkeit des Romans in ausgewählten Sequenzen auf eine schlichte Bühne zu bringen.

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