Wandern wie auf Wolken

Wer das Wandern und den Winter liebt, der ist bei Österreichs erstem Schneeschuhfestival im Murtal an der richtigen Stelle. Zehn Tage lang finden Touren, Vorträge und Seminare statt – für Anfänger und Schneeschuh-Profis gleichermaßen.

Durch die winterstille Natur wandern oder verschneite Hänge hinunterlaufen, dass der Schnee nur so staubt: Beim Schneeschuhwandern offenbart sich dem Gehenden eine breite Palette an Seelenregungen – vom Zu-sich-selbst-Finden bis zum ewigen Kind im Menschen, das durch den Schnee stürmt.

Schneeschuhfestival
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Elisabeth Zienitzer und Silvia Sarcletti sind zwei Schneeschuhexpertinnen. Nicht nur, dass sie vor zwei Jahren einen Schneeschuhwanderführer für die gesamte Steiermark mit 62 Touren herausgaben – mehr dazu in Auf Schneeschuhen quer durch die Steiermark -, vom 26. Jänner bis 4. Februar organisieren die beiden im Murtal nun auch das Festival „aufSCHNEESCHUHwandern“ – österreichweit das erste und größte seiner Art.

Veranstaltungshinweis:

Das Schneeschuhfestival „aufSCHNEESCHUHwandern“ findet vom 26. Jänner bis zum 4. Februar im Murtal statt.

Kein Vergleich mit Tourengehern

Silvia Sarcletti ist Bergführerin und betreibt das Schneeschuhwandern seit gut 15 Jahren. Elisabeth Zienitzer, eigentlich Diplomgeologin, hat es vor zehn Jahren für sich entdeckt. Am Anfang seien sie noch Exoten in der Winterlandschaft gewesen, mittlerweile erfahre diese Sportart aber immer mehr Zulauf, stellen Zienitzer und Sarceltti einhellig fest: Immer mehr Tourismusverbände würden auf den Zug aufspringen - nicht als Ersatzprogramm zum Skifahren oder Tourengehen, sondern als neues Geschäftsfeld.

Schneeschuhwandern, Elisabeth Zienitzer, Silvia Sarcletti
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Elisabeth Zienitzer und Silvia Sarcletti

„Nicht immer der Gipfel“

„Ich behaupte jetzt ganz provokativ: Ein leidenschaftlicher Skitourengeher wird keine schöne Schneeschuhtour machen können – außer sein Herz ist auch beim Schneeschuhgehen. Aber der denkt eher: Jetzt geh’ ich da rauf, wo kann ich runterfahren“, so Zienitzer. Ein Schneeschuhwanderer habe hingegen ein ganz anderes Ziel, und das müsse nicht immer der Gipfel sein, so Sarcletti.

Schneeschuhwandern
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„Da sind Langläufer, da sind Eisläufer, da sind Skitourengeher, und da sind Schneeschuhwanderer. Das kann man nicht miteinander vergleichen. Beim Schneeschuhlauf geht es nicht um ‚Höher, Schneller, Weiter‘“, erläutert Zienitzer, „es ist einfach Gehen, und deshalb ist Fahren auch nie ein Thema für einen Schneeschuhwanderer“, ergänzt Sarcletti.

Einfache Handhabung

Ein weiterer Faktor für die steigende Beliebtheit sei die Einfachheit des Sports, sagen Zienitzer und Sarcletti – vor allem für Anfänger: Man braucht nur Skistöcke für einen guten Halt, wasserfeste Bergschuhe und die entsprechende Winterkleidung, und schon kann man sich die Schneeschuhe anschnallen und loswandern.

Schneeschuhwandern
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„Es ist wie Wandern im Sommer, nur mit anderem Schuhwerk“, sagt Elisabeth Zienitzer. Natürlich gibt es einige Techniken, wie man die verschiedenen Bodenverhältnisse besser meistert oder steile Hänge quert, aber auch die seien nicht schwer zu erlernen. Je nach Strecke könne auch der Schwierigkeitsgrad variieren: „Wenn man eine Spur hat, ist es relativ einfach, aber wenn nicht, kann es auch sehr sportlich sein“, so Zienitzer.

Sendungshinweis:

„Radio Steiermark am Vormittag“, 26.1.2018

Schneeschuh-Spaß für das ganze Murtal

Das spiegelt sich auch in dem Programm des Festivals wieder. Ob Anfängerkurs oder Fortgeschrittenentour, Vorträge zu den Themen „Notfall – Was nun?“, Tierspuren im Schnee oder Winterfotografie – die insgesamt 30 Veranstaltungen richten sich an Amateure und Profis. Die Touren finden an den Wochenenden statt, die Vorträge dazwischen. Den Abschluss bildet der „Schneeschuh-Gaude-Lauf“: ein Hindernislauf am Red-Bull-Ring in Spielberg.

Schneeschuhwandern
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Die Idee, so ein Festival zu machen, tragen Silvia Sarcletti und Elisabeth Zienitzer schon länger mit sich herum, bisher sei die Zeit aber noch nicht reif gewesen. Einige Themen hätten sie wohl schon im Kopf gehabt, dass die Themenpalette letztendlich so breit wurde, damit hätten sie nicht gerechnet. Das habe vor allem damit zu tun, dass sich die Tourismusverbände im Murtal an dem Event beteiligen wollten, so Sarcletti. Das Festival „wandert“ durch’s ganze Murtal zu verschiedenen Veranstaltungsorten, die Schneeschuhwanderer über die Seetaler- und Seckauer Alpen, die Stub- und Gleinalpe, den Wölzer- und Rottenmanner Tauern.

Schneeschuh – Marke Eigenfabrikat

Als persönliches Programm-Highlight nennt Elisabeth Zienitzer den Workshop, bei dem sich Teilnehmer einen eigenen Schneeschuh bauen können: „Als gelernte Tischlerin finde ich das extrem super.“

Schneeschuhfestival
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Für Silvia Sarcletti sind die Vortragenden, die zum Thema Sicherheit sprechen werden, eine gute Ergänzung, darunter Alexander Podesser, Leiter der ZAMG Steiermark oder Michael Miggitsch, Landesleiter der Bergrettung Steiermark.

Auch Schneeschuhwanderer sind im alpinen Gelände unterwegs: „Im Winter ist dann alles anders. Es ist kalt, und du hast vielleicht keinen Handyempfang. Das sind zwei Themen, die eine Kleinigkeit schnell zu einer Schwierigkeit machen können“, so Sarcletti; außerdem gelte die Lawinengefahr auch für Schneeschuhwanderer.

Schneeschuhwandern
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Der zweite Themenkomplex dreht sich um Wild im Winter: „Wenn man mit der Natur achtsam umgehen möchte, kann man sich dort einen Input holen“, sagt Sarcletti. Am Tag nach dem Workshop geht es dann in die Natur – auf den Spuren von Maus, Eichhörnchen, Hase und Co.

Gekennzeichnete Touren für Schneeschuhgeher

Eine richtige Schneeschuh-Community gibt es in der Steiermark noch nicht. „Wir würden gerne eine aufbauen“, erklärt Zienitzer. Das Festival „aufSCHNEESCHUHwandern“ soll viele weitere Menschen für diese Sportart begeistern, so Sarcletti; außerdem wollen die beiden die Wege aus dem Schneeschuhwanderführer mit pinken Fußformen markieren, damit die Touren leichter zu finden sind.

Sportart für alle Altersgruppen

„Ab der ersten Klasse Volksschule gehen wir mit den Kindern. Kinder haben überhaupt keine Angst - die laufen, springen, machen einen Purzelbaum“, sagt Zienitzer. Der älteste Teilnehmer sei 85 Jahre alt gewesen - ein passionierter Skitourengeher und mit guter Kondition, so Zienitzer. „Dann haben wir einen Hang mit perfekten Bedingungen vor uns gehabt, und dieser 85-Jährige ist dort hinuntergelaufen wie ein junger Bub. Der hat eine Freude gehabt, dass alles gestaubt hat“, erzählt sie weiter.

Schneeschuhwandern, Elisabeth Zienitzer
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„Wir haben oft Männer erlebt, die vorher gedacht haben, das ist uncool und dann wie die Buben runter laufen. Du entdeckst einfach das Kind in dir. Da gibt es keine Altersgrenzen“, zeigt sich die Diplomgeologin über die Sportart Schneeschuhlauf begeistert.

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Eine Spur Unendlichkeit

Bei ihrem schönsten Schneeschuh-Erlebnis sind sich die beiden einig: „Wir haben eine Überschreitung der Saualpe gemacht. Wir haben einfach den Rucksack gepackt und sind zwei Tage gegangen. Die Saualpe steigt moderat - du siehst nicht ganz rauf, sondern vor dir immer nur Landschaft. Da sind wir gegangen, keine Spur, kein Mensch, kein Haus, gar nichts. Und wenn du dann über so einen Rücken gehst, hast du das Gefühl von Unendlichkeit“, sagen die beiden Schneeschuhexpertinnen.

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