Shirin Neshats mystische Bilder in Graz

In ihren Arbeiten zeichnet sie ein sensibles Bild der Frau im Islam. Die neue Galerie in Graz zeigt nun die Foto- und Video-Ausstellung „Frauen in Gesellschaft“ der Exil-Iranerin Shirin Neshat.

Shirin Neshat nimmt eine zentrale Position im Diskurs um das Verhältnis zwischen Orient und Okzident ein: Ihre Fotografien und Videos kreisen um die Lage von Frauen in muslimisch geprägten Gesellschaften und um Widersprüche zwischen westlichen und orientalischen Kulturtraditionen.

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 17.1.2018

„Wir haben die Gelegenheit spontan ergriffen, die Ausstellung nach Graz zu bringen. Es gibt einerseits die glamouröse Person im Hintergrund, andererseits ihr relativ unbekanntes aktuelles Werk, beides soll hier zusammengeführt werden“, erläutert Günther Holler-Schuster, der die von Tübingen übernommene Schau in Graz betreut.

„Women of Allah“

Den Beginn machen die Schriftfotografien aus den 90er-Jahren „Women of Allah“, bei denen die Künstlerin große Schwarz-weiß-Fotografien von muslimischen Frauen - oder auch nur Körperteilen wie Hände oder Füße - mit Schriftzeichen in Tusche übermalt hat.

Shirin Neshat, "Speechless", 1996, (Aus der Serie: "Women of Allah", 1993-1997)
Universalmuseum Joanneum/Shirin Neshat

Die Zeichnungen sind dabei so gesetzt, dass sie wie schmückendes Beiwerk wirken, dessen Bedeutung sich erst bei der näheren Auseinandersetzung erschließt - so stellt beispielsweise die Schrift auf den Händen in einem Bild die Geburtsurkunde von Neshat dar, auf einem anderen Bild bilden die Buchstaben so etwas wie einen zarten Gesichtsschleier. Kennzeichnend für diese Fotoserie ist, dass sich immer wieder rituelle Kleidung, Waffen und Schrift darauf finden.

„The Book of Kings“

In einer anderen Serie - „The Book of Kings“ (2012) - reflektiert die Künstlerin die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Arabischen Frühling. Es handelt sich um die neusten Fotoarbeiten, die bisher noch nicht in Österreich zu sehen waren.

Ausstellungsansicht, Shirin Neshat, "The Book of Kings", 45 Bilder, 2012,
Universalmuseum Joanneum/Shirin Neshat

Männer und Frauen in Porträts, übermalt mit Schrift oder Bildtattoos, eine Masse, in der sich Patrioten oder Verbrecher nicht mehr zuweisen lassen. Gezeigt werden „die Sozialstrukturen des Landes, kein dokumentarisches Porträt“, erklärte Holler-Schuster.

Auch das filmische Werk wird gezeigt, der Kinostreifen („Women without Men“, 2009) wird einige Male im Museum und im KIZ Royal-Kino zu sehen sein. Ihre Videos „Turbulent“, „Rapture“ und „Fervor“, die von 1993 bis 2000 entstanden sind, beschäftigen sich mit Fragen der kulturellen Identität und der Rolle der Frau, während ihre späteren Arbeiten „Roja“ und „Sarha“ von 2016 eher traumartige, subjektive Zustände zeigen.

Shirin Neshat, "Tooba", 2002, Video still
Universalmuseum Joanneum/Shirin Neshat

Shirin Neshats fotografische und filmische Reise in mystische Welten sind bis Ende April in der Neuen Galerie in Graz zu sehen; ergänzend ist auch ein Katalog erschienen - mehr dazu in Shirin Neshats mystische Bilder in Graz (oe1.ORF.at).

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