Persönliche Flüchtlingshilfe - für uns!

Doro Blancke aus Ehrenhausen hat vor eineinhalb Monaten einen Asylwerber aus Syrien bei sich aufgenommen - für sie und ihre Kinder eine Bereicherung. Doch der Alltag bietet herausfordernde Situationen.

Der Feuerwehrmann, die gute Seele einer Notschlafstelle oder der Musikant im Blasmusikverein: Sie alle gehören zur großen „Familie der Freiwilligen“ in der Steiermark! Die „Steiermark heute“-Serie „Für uns“ holt sie vor den Vorhang - mehr dazu in Für uns! Die Freiwilligen der Steiermark.

Täglich werden in allen Medien die Bilder vom total überfüllten Flüchtlingserstaufnahmezentrum Traiskirchen abgebildet; Asylwerber anderweitig unterzubringen stellt für Bund und Land eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund stellen Privatpersonen immer öfter Privatunterkünfte zur Verfügung - eine von ihnen ist Doro Blancke aus Ehrenhausen im Bezirk Leibnitz.

Eigenen Verein gegründet

Die Keramik-Künstlerin gründete den Verein „Gib mir deine Hand“ und nahm im Zuge dessen den 25-jährigen Mohammed bei sich auf: In seiner Heimat Syrien war er Volksschullehrer, doch der Krieg zwang ihn zu flüchten. Da er nicht töten konnte, schoss er mit seinem Sturmgewehr lieber in die Luft; innerhalb von drei Minuten traf er dann die mutige Entscheidung, einen Fluchtversuch zu unternehmen - im Wissen, seine Familie verlassen zu müssen.

Sendungshinweis:

„Steiermark heute“, 14.8.2015

Mohammed lernt fleißig deutsch und zeigt es auch, als er kurz von seiner beschwerlichen Reise erzählt: Auf dieser ging er zu Fuß von Griechenland bis nach Österreich; er kam nach Traiskirchen und in weiterer Folge in ein Flüchtlingsquartier in Leibnitz. Seit eineinhalb Monaten lebt Mohammed nun in Ehrenhausen bei Doro Blancke und ihrem 18 Jahre alten Sohn Fabian.

Doro Blancke und Mohammed
ORF.at

Zwei verschiedene Kulturen treffen aufeinander

Blancke ist bereits seit längerer Zeit in der Flüchtlingshilfe engagiert - über ihren Entschluss, selbst einen Flüchtling aufzunehmen, sagt sie: „Ich hab’ mir gedacht, wir haben ein großes Haus, meine Tochter ist ausgezogen, und es gibt genug Platz. Warum soll man so einen schönen Platz nicht mit jemandem teilen, dem es nicht so gut geht?“

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Persönliche Flüchtlingshilfe - für uns!

ORF Steiermark-Reporterin Ulli Enzinger hat Doro Blancke und Mohammed in Ehrenhausen besucht.

Trotz der bisher gut funktionierenden Integration war es am Anfang nicht leicht für alle Beteiligten: „Es sind schon einige Herausforderungen, das muss man sagen. Man muss sich einlassen, nicht nur wir auf ihn, auch der Mohammed auf uns - es treffen zwei verschiedene Kulturen aufeinander.“

Tagtäglich melden sich viele Privatpersonen, die Unterkünfte anbieten. Ernstgemeinte Angebote sind an das Referat für Flüchtlingsangelegenheiten der Caritas zu richten - dieses prüft die Angebote dann.

„Es wird nur von Quoten gesprochen“

Mittlerweile kennt Mohammed viele Menschen in Ehrenhausen. Für Blancke ist es ein wichtiges Anliegen, Menschen zusammenzubringen: „Bei den Flüchtlingen wird nur von Quoten gesprochen, da wird das Ganze sehr anonymisiert. Es sind aber Menschen wie du und ich, die in einer furchtbar traurigen Situation sind. Da gibt’s tolle, ganz gebildete Menschen, und es gibt ganz einfache Menschen.“

Weniger Vorurteile durch persönlichen Kontakt

Für die Keramik-Künstlerin kann man vorhandene Vorurteile nur in der persönlichen Begegnung abbauen: „Das ist ein Beitrag für den Frieden, der für uns alle wichtig ist. Mir persönlich war es auch sehr wichtig. Ich hab mir immer vorgestellt, dass wenn ich sterbe und mich von meinen Kindern verabschiede, ich mir sagen kann: Ich hab mich wirklich bemüht, die Liebe und den Frieden zu leben. Ich kann nicht die Welt verändern, aber ich denk mir: zuhause in meinem Bereich kann ich was tun, im Kleinen.“

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