„Eugen Onegin“: Von der Enge der Liebe

Reduziert inszeniert, kommen Klänge und Emotionen in Tschaikowskis „Eugen Onegin“ in der Grazer Oper dennoch nicht zu kurz. Für die neue Chefdirigentin ist die knapp dreistündige Oper die erste Arbeit in Graz.

Vom Schmerz unerfüllter Liebe erzählt Tschaikowskis „Eugen Onegin“. Der gleichnamige Roman von Alexander Puschkin war Vorlage für Oper, die mit ihrer berührenden Musik mitreißt.

Eugen Onegin
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Tragisch und aufreibend

Sie lieben einander, und doch gehen sie getrennte Wege: Als Onegin die tiefen Gefühle Tatjanas erwidert, ist diese bereits vergeben. Das tragische Paar scheitert an bis heute gültigen Beziehungsängsten - gewarnt von jenen, die es hinter sich haben: Mutter und Zofe, die „Gewohnheit ist der Ersatz für Liebesglück“ singen.

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„Er sollte mal versuchen“

„Die beiden Frauen benennen eigentlich die Schwierigkeit einer langjährigen Beziehung“, so die holländische Regisseurin Jetske Mijnssen, „und auf eine gewisse Art - darum ist Onegin mir auch so lieb - hat er vollkommen Recht mit seiner Angst. Das einzige: Er sollte mal versuchen - wenn er sie wirklich liebt, dann sollte er versuchen.“

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„Sehr sehr nah“

Mijnssen spricht von „Direktheit und Heutigkeit“ der Oper aus dem späten 19. Jahrhundert: „Das führe dazu, dass uns die Figuren sehr sehr nah sind.“ Darum ist Mijnssens Inszenierung schlicht. Schnee rieselt auf die beengte russische Gesellschaft im Nachhall der großen Zaren. Die wundervolle Musik Tschaikowskis bricht die kühle Stimmung auf.

Sendungshinweis:

„Steiermark heute“, 15.12.2017

Die Herzen und die Musik

„Im Orchester und in der Musik passiert immer das, was in den herzen unserer Protagonisten auf der Bühne passiert. Das ist glaub ich das, was diese Musik so ergreifend macht“, sagt die Grazer Chefdirigentin Oksana Lyniv zu der Oper, die sie sich für ihr Debut in Graz gewählt hat. Die Ukrainerin Lyniv kam heuer von der Bayerischen Staatsoper nach Graz, um ihren ersten Posten als Musikchefin anzutreten - die 39-Jährige ist die erste Frau in der Position an der Grazer Oper.

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