Zu viel Jod kann krank machen

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse sind im Steigen. Mediziner sehen mittlerweile einen Zusammenhang zwischen der vermehrten Jodzufuhr und dem Ansteigen an bestimmten Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse.

Bei jedem vierten Patienten in der Steiermark wird eine entzündete Schildrüse diagnostiziert. Früher war es der Kropf, der den Menschen aufgrund des Jodmangels zu schaffen machte; durch die sogenannten Jodmangelprophylaxe und der damit verbundenen Jodierung von Speisesalz in Österreich gingen jodmangelbedingte Schilddrüsenerkrankungen zurück.

Bestimmte Gruppen sollten Jod meiden

Dass die Schilddrüse Jod braucht, ist unumstritten, doch zu viel davon kann bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen Probleme machen. Deshalb sollten bestimmte Gruppen Jod meiden, rät Wolfgang Buchinger, Leiter der Schilddrüsenambulanz der Barmherzigen Brüder Graz-Eggenberg.

Vorsicht ist vor allem bei bestimmten Kontrastmitteln und Desinfektionsmitteln geboten: „Das betrifft die große Gruppe der Schilddrüsenüberfunktionen, wo unkontrolliert Hormon produziert wird. Er muss darauf geachtet werden, dass der Patient nicht mit Jod überschüttet wird, weil dann noch mehr Hormon produziert wird. Die zweite große Gruppe sind jene Patienten, die eine bösartige Schilddrüsenerkrankung diagnostieziert bekommen haben“, so Buchinger.

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Zu viel oder zu wenig Jod?

Grundsätzlich sieht Buchinger die Jodversorgung in Österreich im untersten Normbereich. Jod ist der Hauptbaustein für das Schilddrüsenhormon, sagt auch Gerhard Wolf, Schilddrüsenspezialist am LKH Graz - er sieht derzeit aber eher ein Zuviel an Jod in Österreich.

„Derzeit ist sicher der Zustand gegeben, dass wir nicht mehr von einer Prophylaxe, sondern phasenweise sicher von einer Überversorgung sprechen können. In vielen Lebensmitteln ist zusätzlich Jod vorhanden, und das kann für eine bestimmte Personengruppe zu viel sein“, so Wolf.

Eindeutige Deklaration gefordert

Sich jodfrei zu ernähren, sei praktisch unmöglich, jodarme Ernährung sehr schwierig, meint Maria Hohental, sie gründete vor fünf Jahren in Graz die erste Schilddrüsen-Selbsthilfegruppe Österreichs. „Weil überall Jodsalz beigemengt ist, speziell in Fertigprodukten, im Brot. Dadurch, dass auch das Vieh das jodierte Viehsalz bekommt, haben die auch sehr starke Jodeinlagerungen, vor allem im Fleisch, in der Milch, in Milchprodukten und Eiern“, so Hohental.

Sie fordert, den Jodgehalt bei Lebensmitteln genau auszuweisen; auch die beiden Mediziner Wolf und Buchinger sprechen sich für eine eindeutige Deklaration aus.

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