Alkohol: Sucht der Eltern prägt Kinder

In Stainz findet derzeit eine Konferenz von Suchtexperten zum Thema Alkohol statt. Dabei geht es um den teils exzessiven Alkoholkonsum von Jugendlichen und den Einfluss der Eltern darauf - und die Erkenntnisse überraschen.

Egal, ob bei der Geburtstagsfeier, beim Essen im Gasthaus oder zu Hause nach der Arbeit: Alkohol gehört für viele zum Alltag - und genau diese Selbstverständlichkeit birgt die Gefahr der Sucht. Laut Schätzungen sind 52.000 Menschen in der Steiermark alkoholabhängig, rund jeder Zehnte trinkt so viel Alkohol, dass es gesundheitsgefährdend ist.

Eltern unter Beobachtung

Wie man mit der Suchtgefahr umgeht und wie man Sucht am besten verhindert, darüber sprechen dieser Tage Suchtexperten in Stainz - und hier ergeht der Appell vor allem an die Eltern: Denn wer zu Hause Alkohol trinkt, der sollte sich auch schon von seinen kleinen Kindern beobachtet fühlen - das sagt zumindest die Studie des Schweizer Suchtexperten Emmanuel Kuntsche, die mit Kindern von drei bis sechs Jahren gemacht wurde: „Dass bereits im Alter von drei Jahren Kinder eine Vorstellung von Alkoholkonsum haben, also dieses Wissen, diese Norm, wer trinkt wie viel zu welchen Gelegenheiten, trinken Männer mehr als Frauen, diese Vorstellungen entwickeln sich sehr früh im Leben.“

Kuntsche sieht darin die Gefahr, dass bereits Kleinkinder Alkohol als etwas Selbstverständliches erachten; mit weiteren Studien will er nun klären, ob diese Kinder dann später ein höheres Risiko haben, selbst Alkohol zu konsumieren.

Risikofreudigkeit in Pubertät

Mit der Gefahr des Alkoholkonsums von Jugendlichen beschäftigte sich auch der Psychiater Jörg Wolstein von der Universität Bamberg: „Es ist so, dass sich in der Pubertät das Gehirn stark verändert und zwar in dem Sinn, dass es effizienter gemacht wird. Wir gehen natürlich davon aus, dass in der Zeit, wo solche Umbauprozesse sind, die Hirnstrukturen anfälliger sind für Gefährdungen und insbesondere für Substanzen wie Alkohol.“

Was die Gefahr erhöht, ist, dass durch den Umbau des Gehirns in der Pubertät auch die Risikofreudigkeit der Jugendlichen steigt. Was man tun kann, um Jugendlichen das Risiko von Alkohol klar zu machen, zeigt ein Berliner Gesundheitswissenschaftler: In seinem Schulprojekt analysieren Jugendliche Filme, in denen es um ihre Altersgenossen und Alkohol geht. Durch das Erkennen von richtigem und falschem Verhalten würden die Jugendlichen anschließend weit weniger trinken, so der Wissenschaftler.

Alkoholkonsum oft unterschätzt

Fragt man junge Menschen zwischen 18 und 22 Jahren, wie viel Alkohol sie im vergangenen Monat an Samstagen getrunken haben, dann zeigt sich, dass viele von ihnen eine völlig falsche Erinnerung haben - denn vergleicht man diese Angaben mit denen, die die Wissenschaftler am Abend selbst stündlich von den jungen Menschen über Handy abgefragt haben, zeigt sich ein ganz anderes Bild, so der Schweizer Suchexperte, Emmanuel Kuntsche: „Dort findet sich, dass besonders am Samstagabend, wo halt Hochkonsum stattfindet, Leute deutlich ihren Konsum unterschätzen. Männer beispielsweise, wenn sie so befragt werden, wie viel sie so normalerweise an einem Samstagabend trinken, dann sind das dreieinhalb Gläser, und wenn man sie jetzt wirklich im Event fragt, wie viel sie getrunken haben, dann kommen 6,4 Gläser raus - also fast die Hälfte des Konsums wird unterschätzt, wenn man die Leute rückblickend hinterfragt.“

Häufigkeit und Motiv ausschlaggebend

Diese Fehleinschätzung führt der Experte einerseits auf die Ablenkung in Lokalen oder Gruppen zurück und anderseits auf die Gewohnheit, regelmäßig zu trinken, wodurch das einzelne Getränk nicht mehr speziell wahrgenommen wird. Wie viel und wie oft Alkohol konsumiert werden kann, ohne die Gesundheit zu gefährden, dazu gibt es verschiedene Richtwerte.

Doch wenn es um die Suchtgefahr geht, dann sollte man sich nicht nur an Richtwerten, sondern auch an anderen Faktoren orientieren, so die Leiterin der steirischen Suchtpräventionsstelle Vivid, Claudia Kahr: „Ich glaube, es ist wichtig, weniger auf die Menge zu schauen, die man trinkt, als auf die Häufigkeit und die Regelmäßigkeit, die sich oft einstellt, und letztlich auf die Funktion: Trinke ich, um mich zu entspannen, um zu vergessen, um meinen Stress abzubauen - dann könnte nämlich wirklich eine Sucht beginnen, und deshalb ist es wichtig, dorthin zu schauen.“

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