50. steirischer herbst in Blickweite

Das Programm des 50. steirischen herbstes ist am Montag in Graz präsentiert worden. Blicke zurück, aber auch eine aktuelle Verortung des Festivals und der Gesellschaft prägen den Inhalt. Eröffnet wird das Festival am 22. September.

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Der steirische herbst 2017 findet von 22. September bis 15. Oktober statt

Ihr letztes Intendantinnenjahr in Graz wollte Veronika Kaup-Hasler, die das Festival seit 2006 leitet, mit einer Frage bestreiten: „Where are we now?“. Diese Frage könne nicht gestellt werden, ohne sich Gedanken darüber zu machen, „was hinter uns liegt und wie wir an diesem Punkt gelandet sind - oder wie es denn weitergehen könnte, künstlerisch und politisch“. Die Frage umfasse „einen Moment des notwendigen Innehaltens ebenso wie die Orientierung als Voraussetzung für ein Weitergehen, Weitermachen, Handeln“. Es werde um „Fragen, die das Handeln der Kunst selbstkritisch überprüfen und die wir nicht müde werden sollten, weiter zu stellen“, gehen.

Lustzustände in blauen Anzügen

Die Eröffnung gestaltet die Dänin Mette Ingvartsen mit einer Performance, in der es um Erregungszustände geht, wie herbst-Dramaturg Martin Baasch erklärte. In „to come (extended“) wird sie in einer neuen Version einer Inszenierung aus dem Jahr 2005 ihre Gruppe aus 15 Tänzern in blaue Ganzkörperanzüge hüllen und Lustzustände inszenieren. Der Bilderflut aus nackter Haut und expliziter Erotik werde ein abstraktes Bild entgegensetzt.

Performance

Jens Sethzman

„to come (extended)“ – Eröffnung steirischer herbst 2017

Auseinandersetzung mit Jelineks „Kinder der Toten“

Als ein „Herzstück“ des steirischen herbst bezeichnete Kaup-Hasler die Auseinandersetzung mit Elfriede Jelineks „Die Kinder der Toten“. Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin hat ihren 666-seitigen Roman aus dem Jahr 1995, den sie selbst als „Gespensterroman“ bezeichnet hat, für eine Umsetzung durch das US-amerikanische Performance-Kollektiv „Nature Theater of Oklahoma“ freigegeben.

Das Künstlerduo Kelly Cooper und Pavol Liska geht dem Werk filmisch-performativ auf den Grund. Dabei fordern sie die Bevölkerung zur Beteiligung auf und machen die Dreharbeiten öffentlich zugänglich. 250 Personen hätten sich zu den Dreharbeiten, die bereits Anfang September starten, gemeldet. Ulrich Seidl plane den in Super-8 gedrehten Film herauszubringen, wie Kaup-Hasler anmerkte. An den Festivalwochenenden soll der Roman zudem „dauergelesen“ werden: Auch dazu können sich Interessierte als „Vorleser“ melden.

Palais Attems als Festivalzentrum

Als Festivalzentrum dient im Jubiläumsjahr das barocke Palais Attems in der Grazer Innenstadt: „Hier wird das Festival seit 1985 erdacht, erträumt und organisiert. Wir laden sozusagen zu uns nach Hause ein“, sagte die Intendantin. Der Innenhof werde durch eine temporäre Überdachung zum zentralen Veranstaltungsort für Performances und Installationen. Innen können Besucher an Führungen durch das Festivalarchiv teilnehmen.

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Plakate aus 50 Jahren steirischer herbst

Aktionen, Skandale und Projekte aus 50 Jahren

In die Geschichte des Festivals als Plattform für zeitgenössische Kunst wird man auch in der Ausstellung des GrazMuseum eintauchen können. Im Fokus stehe die gesellschaftspolitische Funktion des Festivals und seiner Kunstaktionen, Skandale und partizipativen Projekte. Ergänzend zur Ausstellung wird eine Publikation vorbereitet. Im Kunsthaus Graz werden Arbeiten der Architekturszene der späten 1960er-Jahre zu sehen sein, im Künstlerhaus wird die legendäre „trigon“-Ausstellung aus dem Jahr 1967 in einen Bezug zur Gegenwart gesetzt und das HDA unterzieht die darin behandelten Themen Ambiente/Environment einer Aktualisierung.

Formen des Erinnerns

Auf der Bühne des Grazer Orpheum begibt sich das Theater im Bahnhof gemeinsam mit der schwedischen Regisseurin Gunilla Heilborn auf die Suche nach verschiedenen Formen des Erinnerns mit "The Wonderful and the Ordinary“. Im Schauspielhaus wird die in Lissabon lebende Choreografin Marlene Monteiro Freitas eine von Rhythmus, Bewegung und Musik getragene Bearbeitung von Euripides’ „Die Bakchen“ auf die Bühne bringen. Die beiden jungen österreichischen Performer Simon Mayer und Florentina Holzinger werden im Dom im Berg ihre neuesten Arbeiten zeigen. Als weitere Uraufführung steht eine Filmdoku über ein Ehepaar, das seit 30 Jahren sein Dorf bei Tschernobyl nicht verlassen hat, am Programm.

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