Oberwölz: Aufräumen nach dem Unwetter

Schwere Unwetter haben Freitag Nacht in der Obersteiermark eine Spur der Verwüstung hinterlassen: Teile der Bezirke Liezen, Murau und Murtal wurden zum Katastrophengebiet erklärt, die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren.

13-Jähriger getötet

Die schweren Unwetter Freitag Nacht forderten auch ein Todesopfer: Ein 13-jähriger Teilnehmer eines Jugendlagers in St. Georgen am Kreischberg starb während des Gewitters; woran, ist noch völlig unklar - mehr dazu in Sturm: 13-Jähriger bei Jugendlager gestorben.

Rund 225 Feuerwehrleute waren in der Nacht auf Samstag allein im Raum Oberwölz im Bezirk Murau im Einsatz. Der Schöttlbach und der Schönbergbach liefen über die Ufer, das Wölzertal wurde überschwemmt, schildert Michael Heindl von der Feuerwehr: „Das Wasser von den Gewittern kommt in den Seitengräben heraus, sammelt sich in den Bächen und rinnt über den Wölzerbach in Richtung Niederwölz ab.“

Im Gegensatz zu 2011, als das Ortszentrum überschwemmt worden war, habe es diesmal vor allem die Seitentäler getroffen, so Walter Horn, der Sprecher der Feuerwehren im Bezirk Murau. Der Bürgermeister von Oberwölz, Hermann Schmidhofer, schätzt, dass das Schadensausmaß etwa 30 Prozent von jenem im Jahr 2011 beträgt.

Zweites Unwetter innerhalb weniger Jahre

In Oberwölz ist es bereits das zweite schwere Unwetter innerhalb weniger Jahre.

Ganze Landstriche zum Katastrophengebiet erklärt

200 Menschen mussten zwischenzeitlich ihre Häuser verlassen, da die Gefahr von Hangrutschungen bestand. Die meisten von ihnen konnten noch in der Nacht zurück, einige mussten aber in Schulen oder bei Verwandten nächtigen. Am Vormittag flog dann der Polizeihubschrauber, um zu sichten, wo die dringendsten Aufräumarbeiten zu machen sind. Teile der Bezirke Liezen (Sölk, Öblarn, Irdning-Donnersbachtal), Murau (Niederwölz und Oberwölz) und Murtal (Pölstal) wurden zum Katastrophengebiet erklärt - mehr dazu in Unwetter hinterlassen schwere Verwüstung (news.ORF.at).

Mittlerweile sind wieder alle Seitentäler zumindest einspurig über die Straßen zu erreichen; auch das zwischenzeitlich von der Umwelt abgeschlossene Lachtal mit einigen Urlaubern war gegen Samstagmittag zumindest von Oberwölz aus wieder erreichbar, so Bereichsfeuerwehrkommandant Helmut Vasold.

Aufräumen und Vorkehrungen für weiteren Regen

Mit rund zehn Baggern, Traktoren und anderem schweren Gerät werden die vermurten Straßen und Hauseinfahrten in Oberwölz freigeräumt: Tonnen an mitgeschwemmtem Material werden aus den Bachbetten geholt, damit diese wieder mehr Wasser fassen können; vor allen an den Brücken staute sich laut Vasold viel Material auf.

Unwetter in Oberwölz

BFV Mu/Horn/Tockner

Da bis Sonntag wieder heftige Regenfälle prognostiziert sind, wurden auch mehr als 6.000 Sandsäcke vorbereitet und Betonleitwände aufgestellt. Für die Nachtstunden ist ein Bereitschaftsdienst der Feuerwehr geplant.

265 Einsätze

Insgesamt verzeichnete der Landesfeuerwehrverband Steiermark in der Nacht auf Samstag 265 Einsätze mit 210 eingesetzten Wehren.

Feuerwehren im Dauereinsatz

Auch in Liezen, dem flächenmäßig größten steirischen Bezirk, waren in der Nacht auf Samstag mehr als 600 Feuerwehrleute von 42 Wehren im Einsatz, schilderte Sprecher Christoph Schlüßlmayr. „Hotspots“ seien vor allem die Täler südlich der Enns gewesen: Die Kleinsölk, die Großsölk, das Walchental und das Donnersbachtal waren aufgrund mehrerer Murenabgänge über mehrere Stunden nicht über die Straßenwege erreichbar.

Oberwölz überschwemmt Feuerwehr

ORF

Die Bäche traten über die Ufer und überschwemmten Straßen und Brücken

In Großsölk im Ortsteil Fleiß, Höhe Stausee, verschüttete eine Mure die Sölkpaß-Landesstraße auf einer Länge von mehr als 100 Metern; nachdem talauswärts ebenfalls Muren die Straße verschütteten, waren fünf Fahrzeuge dazwischen eingeschlossen - die Insassen wurden von den Feuerwehrleuten über die Staumauer in Sicherheit gebracht. Mit schwerem Gerät wurden die Geröllmassen beseitigt.

Supermarkt unter Wasser

Auch die Ennstal Bundesstraße (B320) wurde nördlich des Mitterbergs von Muren überschüttet; Samstagvormittag war die Bundesstraße aber wieder frei befahrbar, so Schlüßlmayr. Zu weiteren Murenabgängen kam es im Gemeindegebiet von Gröbming, Liezen, Pyhrn und Johnsbach. Über die Ufer getretene Bäche sorgten für überschwemmte Keller, die ausgepumpt wurden. In Gröbming stand auch ein Supermarkt unter Wasser.

Wasser

BFV Liezen / Schlüßlmayr

Die Feuerwehr musste auch aus einem Supermarkt Wasser beseitigen

Überflutete Keller in Knittelfeld und Mürzzuschlag

Im Raum Knittelfeld im Bezirk Murtal waren rund 110 Feuerwehrleute im Einsatz: Überschwemmte Keller, Wohnungen und Unterführungen wurden leer gepumpt sowie umgestürzte Bäume von den Straßen entfernt, sagte Bereichskommandant Erwin Grangl.

Auch in Mürzzuschlag ging Hagel nieder, mehrere Werksareale und Keller standen unter Wasser. Im Bereich Steingraben in Mürzzuschlag stürzten Bäume auf die Straße. In der Stanz im Mürztal, die im Vorjahr von Überflutungen stark betroffen war, kam es wieder zu Hochwasser.

Schützenhöfer: „Bestmögliche Hilfe“

Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) hat mittlerweile mit den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden im Bezirk Murau, aber auch in den anderen Bezirken, Kontakt aufgenommen: Er wolle sich um „bestmögliche Hilfe durch Bund und Land kümmern“.

Schwere Unwetter gingen auch über Salzburg nieder: In der Nacht auf Samstag waren 22 Feuerwehren in den Gebirgsgauen im Einsatz – mehr dazu in Muren und schwere Sturmschäden (salzburg.ORF.at).