Literarisches Lob für geliebte Geschöpfe

Von Sigmund Freuds besonderer Beziehung zu seinen Chow-Chows über Kaiserin Sisis Gazellen bis hin zu Pooh Bear und Co. - um so manches „Geliebtes Geschöpf“ geht es in Dietmar Griesers gleichnamigem Buch.

„Der Meister der kleinen Form, der akribischen Recherche, die mit Wiener Leichtigkeit verbunden ist“: So hat die Tageszeitung „Die Presse“ Dietmar Grieser einmal charakterisiert - und jetzt widmet der Autor sich in „Geliebtes Geschöpf“ den „Tieren, die Geschichte machten“.

Von Orten und Menschen hin zu den Tieren

Warum, ist einfach erklärt: „Das hat sich irgendwie abgezeichnet. Bei mir hat es vor über 40 Jahren mit Reisen an die Schauplätze der Weltliteratur begonnen: Die Brücke von San Luis Rey, Endstation Sehnsucht, Zauberberg - was steckt da in Wirklichkeit dahinter? Und dann kamen viele Bücher über menschliche Figuren aus der Literatur, Titel wie ‚Sie haben wirklich gelebt‘ - die wirkliche Effi Briest, der echte Sorbas und und und. Und da waren dann irgendwann mal die Viecher fällig“, schmunzelt Grieser.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 11.3.2017

Eine tierische Sprechstundenhilfe

Zum einen widmet dieser sich etwa den Tieren Prominenter. So sei Sigmund Freud nicht denkbar ohne seine Chow-Chows - vor allem einer, Jofie, habe es dem Vater der Psychoanalyse angetan. Die Hündin war sogar eine Art Ordinationshilfe, wie Grieser schildert: „Sie war bei jeder der Sitzungen dabei, ruhte am Kopfende der Couch und gab keinen Laut von sich. Es sei denn, es kam eine Patientin - es waren ja damals fast durchwegs Patientinnen, es war ja die Zeit der wohlhabenden Hysterikerinnen - die ihr gar nicht gepasst hat, dann hat sie schon mal gemurrt, geknurrt.“

Freud mit Sprechstundenhilfe Jofie (aus "Geliebte Geschöpfe" abfotografiert)

ORF

Freud mit Ordinationshilfe Jofie (aus „Geliebte Geschöpfe“ abfotografiert)

Laut Grieser für Freud ein Signal, aufzupassen - „und dann nach 45 Minuten ist sie aufgestanden und hat das Zeichen zum Aufbruch gegeben - die Sitzung ist beendet“.

Bärenstarkes Literaturphänomen

Dietmar Grieser, der zuletzt seinen 83. Geburtstag gefeiert hat, hat auch in der Literaturgeschichte viel Tierisches entdeckt: Fündig wurde er unter anderem bei E.T.A Hoffmann, Tolstoi oder Schiller - aber natürlich auch im Reich der Kinderbücher, wo er nicht um „Winnie the Pooh“ herumkam, der schon Generationen von Kindern begleitet hat.

Cover

Amalthea

Buchtipp:

„Geliebtes Geschöpf. Tiere, die Geschichte machten“ von Dietmar Grieser (ISBN: 978-3-99050-045-3) ist im Amathea Signum Verlag erschienen und kostet 25,00 Euro

Der originale „Pooh Bear“ thront in einer Glasvitrine in der Kinderbuchabteilung der Öffentlichen Bücherei von Manhattan in New York - „und alle amerikanischen Kinder müssen sich dann irgendwann in eine Schlange einreihen, um den echten Pooh zu bestaunen. Das können Sie sich wie den echten Ötzi in Bozen vorstellen, wo es dann heißt: ‚Weitergehen!‘ und ‚Fotografieren verboten!‘ Dafür blüht dann außerhalb der Souvenirhandel und du bekommst den eigenen Pooh in jeder erdenklichen Form und Verkleidung“, schmunzelt der Autor.

Wunsch nach einem Dackel

Dieser widmet ein Kapitel den eigenen tierischen Erinnerungen: „Ich hätte mir immer sehr einen Dackel gewünscht - mein Leben lang. Das ging bei diesem sehr ambulanten Beruf aber nicht. Und so habe ich mich an anderen schadlos gehalten, wurde dann auch als Leihonkel eingesetzt.“

Aber nicht alle von Griesers Erfahrungen mit Tieren sind positiv: „Angefangen hat das in meiner Kindheit in meinem ersten Schuljahr mit einem bis heute traumatischen Erlebnis - nämlich einer Maus in der Kapuze meines Lodenmantels. Damals hatten wir gerade im Religionsunterricht den Teufel durchgemacht und für mich war diese Maus, die da in der Früh herausspringt und durch die Gegend saust, natürlich der Leibhaftige“, blickt der Autor zurück.

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