Schauspielhaus setzt Österreicher-Schwerpunkt

Das Grazer Schauspielhaus widmet sich in der kommenden Saison vermehrt österreichischen Autoren von Joseph Roth bis Paulus Hochgatterer. Eröffnet wird mit Werner Schwabs „Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm“.

Schauspielhaus Graz

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Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 27.4.2017

„Wir stellen uns die Fragen nach dem Sinn, was gibt uns Glauben, was ist Geschichte, was macht uns aus?“, beschrieb Schauspiel-Intendantin Iris Laufenberg bei der Programmpräsentation die inhaltlichen Überlegungen für die neue Saison.

Diesem ambitionierten Vorhaben nähert man sich auf vielfältige Weise, sei es über Sinn-Suche-Texte wie Schwabs „Faust“, der Leidensgeschichte eines Juden in „Hiob“ oder gleich mit dem Groß-Projekt „Das Alte Testament“.

Auftakt mit Schwab und Setz

Werner Schwab, der 1994 früh verstorbene Shooting-Star der Theaterszene, wurde in den letzten Jahren in Graz nicht gerade häufig aufgeführt - umso erfreulicher, dass das Schauspielhaus nun mit seinem Werk „Faust :: Mein Brustkorb : Mein Helm“ gleich zu Beginn ein Zeichen setzt, auch in dem Wissen, dass das „nicht massenkompatibel“ sei. Auch das zweite Stück am Eröffnungswochenende ist von einem Grazer Autor: „Vereinte Nationen“ von Clemens Setz beschäftigt sich mit dem Präsentieren von privaten Videos auf diversen Plattformen und den Auswirkungen auf eine Familie.

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Roth, Turrini, Hierzegger, Hochgatterer

„Immer wieder ist mir wichtig, dass es auch österreichische Autoren gibt, wir haben sechs an der Zahl, aber auch, dass wir die Gegenwartsdramatik nicht vernachlässigen“, sagt Laufenberg und so sind weitere österreichische Autoren, deren Werke zu sehen sein werden, Peter Turrini und Silke Hassler mit „Jedem das Seine“.

Joseph Roths großer Roman „Hiob“ wird auf die Bühne gestemmt, Pia Hierzegger und das Theater im Bahnhof erarbeiten „Polizei Graz. Eine All-inclusive-Erfahrung“, und Paulus Hochgatterer versucht, sich dem Phänomen Karl Böhm zu nähern, wobei er von Nikolaus Habjan und seinen Puppen unterstützt wird.

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Auf der großen Bühne sind weiters Gorkis „Kinder der Sonne“, „Am Boden“ von George Brant und Molieres „Tartuffe“ zu sehen, außerdem „Bacchae Prelude to a Purge“, eine Koproduktion mit dem steirischen herbst.

Düsteres im Haus Zwei

Federico Garcia Lorcas düsteres Frauen-Familienbild „Bernarda Albas Haus“ wird im Haus Zwei gezeigt, ebenso wie Thomas Manns „Der Zauberberg“. Manns Text „schildert eine kranke, erschöpfte Gesellschaft - es ist wie eine Metapher auf unsere Zeit, unser Europa“, so Dramaturgin Karla Mäder. Ein Sonderprojekt ist „Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen“ des iranischen Autors Nassim Soleimanpour, bei dem Überraschungseffekte und Ortswechsel von Schauspieler und Publikum eine Rolle spielen.

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