Gegessen wird, was auf den Tisch kommt

Nach Schwabs „Faust“ setzt das Grazer Schauspielhaus mit einer weiteren österreichischen Erstaufführung nach: „Vereinte Nationen“ von Clemens Setz führt ein unbehagliches Familienleben in digitalen Zeiten vor Augen.

Da zwingen Eltern ihre Tochter, verdorbenes Essen zu essen oder halten ihr beim Tauchen den Schnorchel zu - grausam genug, aber das Ganze wird auch noch geheim gefilmt und im Internet verkauft.

"Vereinte Nationen"

Schauspielhaus Graz/Lupi Spuma

Rasch bestimmt die rasant steigende Nachfrage nach Videos eines leidenden Kindes das Angebot - ein lukratives Geschäft übertüncht alle elterlichen Zweifel.

„Dazu verurteilt, darüber Witze zu machen“

In Mannheim im Jänner erfolgreich uraufgeführt, ist Clemens Setz Theaterdebut von der deutschen Kritik sehr gut aufgenommen worden. Für den Autor ist „Vereinte Nationen“ eine Komödie: „Wir sind als Menschen irgendwie dazu verurteilt, dass man darüber Witze macht, es bleibt keine andere Wahl, jedes andere wäre irgendwie Verrat an den realen Vorbildern solcher Vorgänge.“

"Vereinte Nationen"

Schauspielhaus Graz/Lupi Spuma

Setz’ Kritik gilt aber nicht den Entwicklungen im Netz: „Es ist eher eine Kritik an den nichterwachsenen Erwachsenen, also die Erwachsenen, die noch Kinder sind und sich kindisch verhalten.“

ORF-Steiermark-Kulturredakteurin Ilse Amenitsch hat mit Clemens Setz vor der Premiere in Graz gesprochen und ihn gefragt, wie ihm die Theaterluft schmeckt.

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 29.9.2017

Regisseur Mathias Schönsee will die Entwicklung zeigen und kein kleines Kind auf die Bühne stellen, „dann trennt man nicht mehr das Schauspiel von dem inneren Erleben, und man sieht dann das Reale, man denkt dann, das wird dem Kind wirklich angetan“, was die Zuseher schont, dem Stück aber an Schärfe nehmen könnte.

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