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MI | 10.02.2010
Feinstaubbelastung durch Verkehr (Bild: ORF)
Studie für Graz
40 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub
Am Donnerstag wurde eine von Gesundheitslandesrat Helmut Hirt (SPÖ) in Auftrag gegebene und vorerst unter Verschluss gehaltene Feinstaubstudie offiziell in Graz präsentiert. Die Inhalte sind brisant.
Todesfälle steigen
Bereits pro zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft kommt es in Graz laut Studie zu einem Anstieg der Todesfälle um knapp 1,5 Prozent. Studienautor Manfred Neuberger von der Med-Uni Wien hat die Feinstaubkonzentrationen über einen Zeitraum von 15 Jahren analysiert.
Feinstaub-Hauptverursacher sind der Hausbrand und der Verkehr, dabei vor allem Dieselfahrzeuge.
Anstieg von Atemwegserkrankungen
Die Zunahme von Fein- und Feinststaub führe demnach zu einem Anstieg von Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen und umgerechnet zu 40 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr, so die Studie. Hauptverursacher neben dem Hausbrand sind der Kfz-Verkehr und vor allem Dieselfahrzeuge.
Winter wie Sommer
Die Ergebnisse zeigen, dass die Zunahme der Gesamtsterblichkeit pro zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bei Feinstaub PM10 am stärksten ist, gefolgt von NO2 (Stickstoffoxid) und anderen Feinstaubarten. Die Sterblichkeit sei mit Ergebnissen aus Wien vergleichbar, das eine vergleichbare Altersstruktur und einen ebenso hohen Anteil an Dieselfahrzeugen besitzt.

Während die Mortalität an Herzkreislauferkrankungen mit staubförmigen Luftverunreinigungen wie PM10 besonders deutlich zunahm, werden Atemwegserkrankungen am stärksten mit NO2 assoziiert.

Bemerkenswert an den Ergebnissen sei für den Studienautor die Tatsache gewesen, dass die Wirkung der Luftschadstoffe pro Mikrogramm je Kubikmeter im Sommer und Winter gleich waren. Eine Vermutung ist, dass sich die Wirkungen von erhöhten Feinstaubkonzentrationen im Winter und erhöhten Ozon-Werten im Sommer die Waage halten.
"Saisonale Beruhigungen bringen wenig"
Helmut Hirt sagt, er habe die Studie nur deshalb unter Verschluss gehalten, weil er "noch darüber nachdenken wollte, wie wertvoll die Studie ist". Hirts Ergebnis: Saisonale Verkehrsberuhigungen bringen wenig. "Es geht darum, dass eine ganzjährige Absenkung von Feinstaubwerten eine größere Wirkung erfüllt, als ein gelegentliches Nicht-Erfüllen von Grenzwerten."
"Umweltzonen" statt City-Maut
Daher müsse das Thema in Regierung und Landtag diskutiert werden. Hirt selbst schlägt vor, sogenannte "Umweltzonen" nach dem Vorbild anderer EU-Städte zu schaffen. "Die City-Maut ist nur eine Abwandlung dessen, was man unter 'Umweltzone' versteht", so Hirt.
Politik müsse reagieren
Studienautor Neuberger sagt, die Politik müsse in Brüssel, in Wien und in Graz reagieren:
"Das Wichtigste wäre eine Schadstoffreduktion an der Quelle. Zum Beispiel am Kraftfahrzeug, durch Senkung der zulässigen Emissions-Konzentrationen, oder eine Anpassung des Emissionsschutz-Gesetzes."

Neuberger betonte auch, dass er sich mehr Landesregierungen bzw. -räte wünsche, die unabhängige Studien in Auftrag geben, die auch veröffentlicht werden, unabhängig vom Ergebnis. Eine von ihm in Auftrag gegebene Studie für Wien sei noch immer unter Verschluss.
ÖVP-Kritik an Umweltlandesrat
ÖVP-Umweltsprecher Ernst Gödl sparte in einer Aussendung nicht mit Kritik an SPÖ-Umweltlandesrat Wegscheider. Dieser müsse endlich mit der Arbeit beginnen und damit aufhören ständig Veranwortung auf andere abzuschieben.
Grüne Protestaktion am Freitag
Die Grünen schießen sich auf den Gesundheitslandesrat ein: In zwei Jahren Amtszeit würde dieser das erste Mal das Wort Feinstaub in den Mund nehmen. Die Grünen fordern Tempolimits und Fahrverbote sowie Gratis-Öffis an Feinstaubtagen. Freitagvormittag wollen die Grünen im Rahmen einer Protestaktion ihren Weg zu einer gesunden Luft präsentieren.

Und der Umweltschutzverein ARGE Luft-Lärm fordert einen Feinstaub Gipfel. Dabei solle über Maßnahmen gesprochen werden, die noch in diesem Winter greifen können.
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