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MI | 10.02.2010
Wort des Jahres (Bild: ORF)
Gesellschaft
"Lebensmensch" ist Wort des Jahres 2008
"Lebensmensch" ist das österreichische Wort des Jahres 2008. Platz zwei geht an den Begriff "Krocha", Platz drei holt sich die "Wachteleierkoalition". Als Unwort des Jahres wurde "Gewinnwarnung" gekürt.
Das Institut für Germanistik an der Karl-Franzens-Universität in Graz führte die Wahl in Kooperation mit der Austria Presse Agentur durch. Der siebenköpfigen Fachjury stand Prof. Rudolf Muhr vom Institut für Germanistik vor.
"Lebensmensch" wurde von vielen auch als Unwort angesehen.
Lebensmensch hat hohen emotionellen Wert
Das Wort des Jahres 2008 wurde in diesem Herbst von Stefan Petzner (BZÖ) mehrfach tränenreich verwendet, der den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider als seinen "Lebensmenschen" bezeichnete.

Seine Bedeutungsambivalenz und sein hoher emotioneller Wert machen "Lebensmensch" zum Wort des Jahres, heißt es von der Jury. Der Ausspruch wurde aufgrund gegensätzlicher Verwendungsweisen von vielen Wählern auch als Unwort klassifiziert, von der Mehrheit aber als Wort des Jahres gereiht.
Wortschöpfer: Thomas Bernhard
Der Begriff "Lebensmensch" stammt jedoch nicht von Stefan Petzner, sondern wurde durch den Dichter Thomas Bernhard geprägt.
"Krocha" steht für sprachliche Originalität und Lebendigkeit.
Jugendkultur eroberte zweiten Platz
Die "Krocha", eine ostösterreichische Jugendkulturbewegung, die im abgelaufenen Jahr stark in Erscheinung getreten ist, landete auf Rang zwei. Sie ist die erste derartige österreichische Jugendkultur seit Jahrzehnten, die durch sprachliche Originalität gekennzeichnet ist und für die die Lebendigkeit der österreichischen Jugendkultur steht, lautete die Begründung der Jury.

Platz drei geht an die "Wachteleierkoalition", ein Ausspruch aus dem Wahlkampf.
"Heimatpartei" und "Kulturdelikt" schafften es ebenfalls zu den Unwörtern des Jahres.
"Gewinnwarnung" ist Unwort des Jahres
Neben den Wörtern des Jahres wurde auch das Unwort gekürt. Diesen eher undankbaren Titel holte sich der Begriff "Gewinnwarnung". Er ist aus sprachlicher Sicht interessant, da er scheinbar vor Gewinnen warnt, tatsächlich aber Verluste oder verminderte Gewinne meint.

"Heimatpartei" und "Kulturdelikt" werden ebenfalls zu den Unwörtern gezählt. Tatsächlich bezweckt "Heimatpartei" die Monopolisierung des Begriffs Heimat durch eine bestimmte politische Gruppierung und den Ausschluss aller anderen Auffassungen von Heimat.

Der Begriff "Kulturdelikt" stammt von Innenministerin Maria Fekter (ÖVP), die im Wahlkampf 2008 erklärte, es müsse für Verbrechen wie Ehrenmord und Zwangsheirat ein eigener Strafrechtsparagraf geschaffen werden.
Spruch des Jahres kommt von Hickersberger
"Wir haben nur unsere Stärken trainiert, deswegen war das Training heute nach 15 Minuten abgeschlossen." Dieser von Josef Hickersberger während der Fußball-EM getätigte Sager wurde als Spruch des Jahres 2008 gewürdigt.

Die Jury begründete ihre Entscheidung mit der "eleganten und witzigen Umschreibung bestimmter Verhältnisse im österreichischen Fußball, die in bester literarischer Tradition der österreichischen Selbstironie steht".
Molterer-Spruch signalisiert einen völligen Kommunikationsabbruch.
"Es reicht" als Unspruch des Jahres
Der ehemalige ÖVP-Chef und Vizekanzler Wilhelm Molterer leitete mit den Worten "Es reicht" das wichtigste politische Ereignis des laufenden Jahres ein und schaffte es damit immerhin zum Unspruch des Jahres 2008. Der Sager signalisiere einen völligen Kommunikationsabbruch sowie die Weigerung, sich mit Sachinhalten auseinanderzusetzen, für die man eigentlich gewählt worden war, so die Jury.
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