Ein Kasten für den Notfall

Sie ist meist grau, eher unscheinbar und wenig beachtet - bis der Handyakku streikt: Dann schaffen die 1.220 steirischen Telefonzellen Abhilfe. Zwar gibt es immer weniger, ganz verschwinden werden sie aber nicht so bald.

„Ich glaube zu wissen, dass das ein Kasten ist, wo man zur Not telefonieren kann, wenn man kein Handy dabei hat“: So klingt es, wenn Kinder eine Telefonzelle beschreiben. Ältere Semester kennen die Funktion der Telefonzelle noch gut: Da werden Erinnerungen geweckt an den eingesteckten Schilling zum Telefonieren - der letzte Besuch liegt aber auch bei den Erwachsenen meist schon einige Zeit zurück.

Nutzung gering

Nur noch 1.220 Telefonzellen gibt es in der ganzen Steiermark. Für 30 Cent in bar oder mit Karte kann man ein Gespräch führen, und im städtischen Bereich, an neuralgischen Punkten wie Bahnhöfen, Fußgängerzonen oder in Krankenhäusern werden sie noch genützt, sagt Livia Dandrea-Böhm von A1. In manchen Orten würden die über zwei Meter großen Häuschen allerdings kaum mehr verwendet - finanziell liefern die Telefonzellen dementsprechend wenig ab. Die Einnahmen decken die Kosten für Wartung und Modernisierung kaum.

Telefonzelle, Wählfeld
Pixabay

Betrieben werden sie von der A1-Telekom - wenn auch nicht ganz freiwillig: Anzahl und Erhaltung sind per Gesetz festgelegt. „Öffentliche Sprechstelle“ heißt es im Gesetzestext, der ungefähre Schlüssel liegt bei einer Telefonzelle pro 1.000 Gemeindeeinwohner.

Vom Telefon zur Kunst

Außer die Gemeinden verzichten freiwillig auf ihre Telefonzellen oder führen sie einem zweiten Leben in Form von Bücherzellen, Kunstobjekten oder Ladestationen für Elektrofahrzeugen zu. Auch im privaten Erwerb sind sie sehr begehrt, etwa als Gartenhaus oder Duschkabine. „Wir wissen, dass da immer ein sehr großer Andrang ist, wenn wir das publik machen“, sagt Dandrea-Böhm.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 12.3.2019)

So sind Telefonzellen immer wieder Objekt von Weltrekordversuchen oder ähnlichem - auch im Ausland: Ein deutscher Schützenverein etwa versuchte, mit 18 Personen in einem Telefonhäuschen einen neuen Rekord aufzustellen. In England sollte eine Telefonzelle zur kleinsten Bar der Welt gekürt werden - geklappt hat das zwar nicht, möglicherweise hätte das aber mehr Besucher als Telefonierende in die Telefonzellen gebracht.