herbst 2019-Sujet
steirischer herbst
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Kultur

Steirischer herbst zieht in den Abgrund

Der steirische herbst steht heuer unter dem Motto „Grand Hotel Abyss“ (Grand Hotel Abgrund) und beleuchtet Hedonismus und Genusskultur in Zeiten der Krise auf unterschiedliche Weise.

„Wir erzählen immer Geschichten, die in Graz verankert und gleichzeitig für die ganze Welt interessant sind“, formuliert Intendantin Ekaterina Degot ihren Anspruch – und so entstand der Großteil der Arbeiten im Auftrag des Festivals. Der Titel, so die Intendantin, beziehe sich auf ein Zitat von Georg Lukacs, der mit „Grand Hotel Abgrund“ in den 1930er Jahren das Lebensgefühl europäischer Intellektueller und Künstler vor dem heraufziehenden Faschismus beschrieb.

Genüsse und ihre Kehrseite zum Start

Eröffnet wurde das Festival mit einer „abendfüllenden Extravaganza voller kulinarisch-ästhetischer Genüsse und ihrer dunklen Kehrseiten“, verheißt die Intendantin. Es begann im Landhaushof mit einer Politoper von Zorka Wollny, später ging es weiter in den Congress – dort gab es Installationen und Performances von Cibelle Cavalli Bastos, Jakob Lena Knebl, Markus Pires Mata und dem Choreografen Manuel Pelmuş.

Veranstaltungstipp:

Der steirische herbst findet heuer bis zum 13. Oktober statt

Die Berliner Experimentalvokalistin und Tänzerin Jule Flierl war zu sehen, ebenso das Künstlerduo Elmgreen & Dragset. Den Abschluss bildete eine Lecture-Performance von Gernot Wieland über Österreich und seine Genusskultur, die vom isländischen Duo Erna Omarsdottir und Valdimar Johannsson choreografiert wurde – mehr dazu in Herbst-Eröffnung mit Facetten des „Grand Hotel Abyss“.

Kontexte und Konflikte

Mit einigen Installationsprojekten möchte der herbst an verschiedenen Standorten historische Kontexte berühren und Konflikte aufzeigen: So wird im Palais Attems, dem ehemaligen Hauptquartier der britischen Besatzungstruppen und Sitz des Festivalbüros, eine Arbeit von Oscar Murillo zu sehen sein, die die Verfallsästhetik der Gegenreformation thematisiert.

Sendnungshinweis:

„Steiermark heute“, 19.9.2019

Im Grazer Künstlerhaus, dessen Entstehung und Baustil ebenfalls von der britischen Besatzung beeinflusst sein sollen, werden Filme von Jasmina Cibic und Jeremy Deller sowie Ian Hamilton Finlay gezeigt. Daniel Mann und Eitan Efrat gehen in ihrer Filminstallation im Forum Stadtpark der geheimen Geschichte der NS-Zeit über den therapeutischen Einsatz von radioaktivem Gas nach – mehr dazu in Herbst: Installationen über und aus dem Abgrund.

Heimische Kulturschaffende eingebunden

Dem Ruf des Festivals sind auch wieder zahlreiche heimische Kulturschaffende gefolgt, die das Programm durch performative Auftragsarbeiten abrunden: So lädt das Theater im Bahnhof auf den Hofbauernmarkt in Eggenberg ein, wo es bei einem Spiel um den Teufelskreis der Armut geht, und der Choreograf, Regisseur und Kurator Michiel Vandevelde führt seine Auseinandersetzung mit Nazim Hikmets „Human Landscapes“ fort.