Alfred Klinkan Gesicht
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Kultur

Alfred Klinkans Wunderwelt

Der geborene Judenburger Alfred Klinkan galt in den 70er- und 80er-Jahren als Vorreiter der „Neuen Malerei in Österreich“ und hinterließ eine Bilderwelt voller Phantasie und Überraschungen. Die Neue Galerie in Graz zeigt nun eine umfassende Werkschau.

Alfred Klinkan wurde 1950 in Judenburg geboren und absolvierte seine künstlerische Ausbildung von 1970 bis 1974 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Josef Mikl und Wolfgang Hollegha – schon damals entwickelte er eine eigenständige Bilderwelt und Formensprache.

Alfred Klinkan in der Neuen Galerie

Die Neue Galerie in Graz zeigt unter dem Titel „Wasnichtallessorauskommt“ eine umfassende Werkschau von Klinkan.

Hinaus in die „Wunderwelt“

1976 wurde er vom Land Steiermark mit dem Preis für zeitgenössische Malerei ausgezeichnet – damit verbunden war ein Stipendium für einen Aufenthalt an der Antwerpener Akademie der Bildende Künste.

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 8.10.2019

Alte Meister – Neue Bilder

Antwerpen wurde neben Wien und München immer wieder die Stadt, die er aufsuchte und in der er auch seine künstlerische Inspirationen erhielt: Er setzte sich dort einerseits mit den Meistern der altniederländischen und flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts und andererseits auch mit der damaligen zeitgenössischen Kunstszene auseinander – Pieter Bruegel, Adriaen Brouwer oder Jan Cox sind einige dieser Künstler. Diese Inspirationen aus Antwerpen finden sich in einer eigenen Bilderwelt wieder, die vor allem von märchenhaften Motiven aus der Tierwelt, phantasievollen Mischwesen, Fabeltieren und Ungeheuern geprägt ist.

Alfred Klinkan Pferd
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„Wunderwelt“ als Inspirationsquelle

Diese Prägungen könnten aber auch aus einer möglichen Kindheitserinnerung an eine Kinder- und Jugendzeitschrift mit dem Titel „Wunderwelt“ entstammen. Nach seinerzeitigen Aussagen des Künstlers verbrachte er gerne die Zeit in seiner „Wunderwelt“: In seiner Werkgruppe „Alfred Klinkan im Schlieraffenland oder die Wunderwelt von A-Sch“ widmete er sich in den späten 70er-Jahren unter anderem diesen phantasievollen Bildthemen.

Alfred Klinkan Mischwesen
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Klinkan im Farbrausch

Das Charakteristische in seinen Werken ist wohl auch die intensive Farbgebung, die eine optimistische Haltung und Daseinsfreude vermittelt. Diese farbenfrohe Schaffensphase ist vor allem nach seinem ersten Aufenthalt in Antwerpen entstanden. „Die Malerei wurde zu einer farbigen Explosion, zu einem sinnlich, erfreulichen Erlebnis“, dahinter verbirgt sich aber durchaus auch eine Gesellschaftskritik, wie Kurator Günther Holler-Schuster weiter feststellt: „Es war ein Protest, den Klinkan auch mit seinen frühen Bildern in den 70er-Jahren Rechnung trägt.“

Alfred Klinkan Galerie
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Alfred Klinkan beschäftigte sich wie viele Künstler vor allem auch zu Beginn seines Schaffens mit der Linie und mit der Schrift – und er experimentierte mit der Sprache: Seine Freundschaft zu Ernst Jandl ist bekannt, und er verwendete auch Kinderreime und Werbeslogans auf seinen Bildtafeln. Sein hauptsächliches Malmittel war die Ölfarbe, die er zum Teil stark verdünnt und lasierend aufgetrug, aber auch dicht und sättigend verwendete.

Nach zahlreichen Soloausstellungen zu Lebzeiten des Künstlers in Wien, Salzburg, Graz, Judenburg und im Ausland zeigt die Neue Galerie Graz nun fast 25 Jahre nach seinem Tod eine umfassende Werkschau von Alfred Klinkan mit über 300 Exponaten.