Kunst – Handwerk Kunsthaus Ausstellung
© Universalmuseum Joanneum/N. Lackner
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Kultur

„Kunst ⇆ Handwerk“ im Dialog

Die Ausstellung „Kunst ⇆ Handwerk – Zwischen Tradition, Diskurs und Technologien“ im Grazer Kunsthaus stellt sich der spannenden Frage, wie ein Dialog zwischen Kunst und Handwerk aussehen kann und zeigt das Interesse der Künstler am Experimentieren.

Es sind Werke von zeitgenössischen Künstlern wie Azra Akšamija, Olivier Guesselé-Garai, Plamen Dejanoff, Olaf Holzapfel, Antje Majewski, Jorge Pardo, Slavs and Tatars, Haegue Yang und Johannes Schweiger, die sich mit dem Spannungsfeld zwischen Kunst und Handwerk beschäftigen.

Kunst – Handwerk Kunsthaus
© Universalmuseum Joanneum/N. Lackner

In der Kunstgeschichte wird seit Jahrhunderten die Frage gestellt, wo die Grenzziehung zwischen Kunst und Handwerk, zwischen Handwerk und Kunst sei, in wie weit die Begriffe austauschbar sind oder ineinander fließen.

Grenzziehung oder Ausweitung?

Die Kuratorin Barbara Steiner sieht, dass die Begrifflichkeit des Themas und die dahinterstehenden Positionen durchaus in verschiedene Richtungen gehen: „Wir versuchen, Denkschubladen zu zerstören, das zeigt ja schon das Verhältnis Kunst und Handwerk. Die Ausstellung beginnt mit einem vermeintlichen Gegensatz oder zumindest mit einer Hierarchie, weil in der Tendenz bis zum heutigen Tag Kunst und Handwerk nicht als gleichwertig betrachtet werden.“

Kunst – Handwerk Kunsthaus Afrikanische Figuren
ORF

Und es werden Fragen gestellt, so Steiner: „Wie erweitert sich Kunst und Handwerk zu neuen Technologien, wie sieht es aus, wenn wir über andere Kategorisierungen nachdenken, wie Europa und außerhalb von Europa? Wie sieht es aus mit Geschlechterhierarchien, die genauso auch mit bestimmten Vorstellungen von Handwerk und Kunst verbunden sind?“

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 13.11.2019

Kulturelle Identität und Digitalisierung

Es ist das Material, das in dieser Ausstellung im Vordergrund steht, und es ist tradiertes Wissen aus Jahrhunderten aus den verschiedensten Völkern und Regionen, das die Künstler hier einfließen lassen, ohne den Bezug zur zeitgenössischen Kunst aus den Augen zu verlieren. „Es hat auch zum einen mit der Digitalisierung zu tun und dass das Gefühl, dass man etwas physisch-haptisch anfassen kann, immer mehr verschwindet. Gleichzeitig zeigt die Ausstellung, dass es kein Plädoyer für einen antiquierten, sondern für einen sehr aktuellen Handwerksbegriff ist und neue Technologien eine immer größere Rolle spielen“, sagt Steiner.

Kunst – Handwerk Kunsthaus
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Brückenbauer

Es geht immer wieder auch um die Bedeutung und Wertschätzung und um die Kategorisierung von Kunst und Handwerk und von Handwerk und Kunst. Die Ausstellung lässt sich auf diese Zwischenräume, Übergangszonen und Grenzüberschreitungen ein, und vielleicht ist eine Neudefinition und eine Chance darin zu finden, so Steiner: „Das Problem von Kategorisierungen ist, dass sie auch sehr schnell zu Bewertungen und zu Urteilen führen.“ Daher empfiehlt Steiner, nicht nur einen Blick, sondern einen zweiten und dritten Blick darauf zu werfen und genau hinzusehen – das ist noch bis 16. Februar 2020 im Kunsthaus Graz möglich.