Sternenhimmel
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Die Fragen der Menschheit – aus Physikersicht

Wo kommen wir her, und wohin gehen wir, wenn wir nicht mehr sind? Diese Fragen versuchen Wissenschafter, Ethiker und Religionen seit Jahrhunderten zu klären. Martin Apolin will sie in seinem Buch „Himmelskörper“ aus Physikersicht beantworten.

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst“: Diesen etwas antiquierten Satz hören Gläubige am Beginn der Fastenzeit auch heute noch, wenn ihnen am Aschermittwoch der Priester ein Kreuz aus Asche auf die Stirn zeichnet, und auch bei Begräbnissen oder auf Grabsteinen findet der Satz Verwendung – und: Es stimmt! Naturwissenschaftlich sei das völlig korrekt, sagt der österreichische Physiker Martin Apolin.

Wir stammen alle aus dem Universum

Martin Apolin möchte seine Leser in seinem aktuellen Buch Schritt für Schritt zur Erkenntnis führen, dass wir tatsächlich allesamt Kinder des Universums sind. „Die Bausteine ihres Körpers bestehen mit dem Wasserstoff zwar zu rund zwei Drittel aus Urknallresten, aber das ergänzende Drittel sind Überreste lang verloschener Sterne. Sternenstaub, wenn man es poetisch sieht – Sternenasche, wenn man einen leidenschaftsloseren Zugang hat. Sternenabfall, wenn man ganz nüchtern ist.“

„Himmelskörper“-Cover
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Sterne als Mutter allen Seins

Sterne, wie auch unsere Sonne einer ist, erzeugen Energie durch das Verschmelzen von Atomen. Aus dem einfachsten Wasserstoff wird Helium, dann geht es (sehr banal formuliert) weiter über Kohlenstoff, Sauerstoff und Silizium bis zum Eisen. Am Ende ihres Lebens blasen Sterne diese neu gebildeten Elemente ins Weltall hinaus, oder – und das hängt von der Größe der Sterne ab – sie explodieren spektakulär und erzeugen dabei noch einmal eine Menge anderer Elemente. Diese ergeben dann unterm Strich Bausteine, aus denen sich zufälligerweise unsere Erde und alles darauf gebildet hat.

Faszination Physik in allen Lebensbereichen

„Die Faszination an der Physik ist, dass man viele Dinge damit erklären kann, auch Dinge die ganz ursprünglich mit uns zu tun haben. Da meine ich einen Regenbogen genauso wie die Frage ‚Wie funktioniert der Organismus?‘, ‚Was macht das Leben auf physikalischer Ebene aus?‘, also ‚Was ist physikalisch gesehen Leben?‘“, schildert der Physiker. Und so ist es nur logisch, dass Martin Apolin erklärt, wie sich das Universum darum kümmert, dass wir keinen Kropf kriegen, weshalb es sinnlos ist, den Schreibtisch aufzuräumen und wieso das Gehirn das komplexeste Gebilde im gesamten Sonnensystem ist.

Zahlen, die unsere Vorstellung überschreiten

Martin Apolin ist ein Freund großer Zahlen – in seinem Buch wimmelt es nur so von Milliarden, Billionen, Trilliarden usw. Generell ist das Buch aber recht leicht zu lesen, was sicher darin begründet ist, dass der doppelte Doktor im Brotberuf AHS-Lehrer ist.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 22.3.2020

„Für mich ist es irrsinnig wichtig, dass man in der Schule auch immer von den Fragen ausgeht. Auch im richtigen Leben kommen immer zuerst die Fragen. Man braucht nur Kinder anschauen – die fragen einem Löcher in den Bauch, und dann kommen, wenn man Glück hat, die Antworten. In der Schule kommen immer die Antworten auf Fragen, die man gar nicht gefragt hat, deswegen versuche ich bei grundlegenden Dingen, einmal eine Frage aufzuwerfen und hoffe, dass die Schüler die Antwort wissen wollen, und wenn das so ist, dann kommt der Stoff nach. Das weckt auch die Neugierde. Ich finde, dass man das in der Schule immer umdrehen sollte, um die Neugierde am Köcheln zu halten.“