Lipizzaner Junghengste
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„Daheim is’ fein“

Das Lipizzanergestüt Piber als Starschmiede

Das Lipizzanergestüt Piber ist die Kinderstube der weltberühmten weißen Pferde. Bis ein Hengstfohlen aber soweit ist, sich zum Star in der Wiener Hofreitschule zu mausern, braucht es viele Jahre und Ausbildungen.

37 Fohlen sind es, die in den vergangenen Monaten im Gestüt Piber auf die Welt gekommen sind, darunter 16 Hengste, unter denen sich möglicherweise auch einige mögliche künftige Stars der Wiener Hofreitschule tummeln – oder wie es der Gestütsleiter Erwin Movia formuliert: „Alle zukünftigen Stars in Wien sind geborene Steirer.“

Ein Auge für die Stars von morgen

Der Gestütsleiter hat bereits ein Auge dafür, welches Tier Talent dafür hat: „Wir beobachten die Fohlen ja immer, wie sie sich präsentieren, wie die Gänge sind, wie sie springen und viele bringen von Geburt an, sehr viel mit, was in Wien dann abverlangt wird.“ Bis nach Wien ist es allerdings ein langer Weg.

Conny Krainz mit jungem Lipizzaner
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Conny Krainz und Erwin Movia mit zwei Lipizzaner-Fohlen

Nach der Geburt bleiben die Fohlen zunächst zehn Tage lang bei der Mutterstute in der Box, und auch danach können sie noch einige Jahre im Gestüt Piber genießen, schildert Movia: „Dann können sie dreieinhalb Jahre im Laufstall und auf den Wiesen auf den Almen verbringen, erst dann beginnt der Ernst des Lebens. Das heißt, da gibt es eine Musterung: Ein gewisser Teil der Hengste geht nach Wien, und auch die Stuten beginnen mit der Ausbildung. Die machen eine Leistungsprüfung im Reiten und im Fahren, und erst dann kommen sie in die Zucht.“

Die Alm als wertvolles „Training“

Die Hengste sind auf der Stubalm untergebracht, die Stuten auf der Brendlalm. Laut Movia sei der Almaufenthalt bereits so etwas wie ein erstes Training für die Tiere: „Die Pferde brauchen einfach das steile Gelände, damit sich die Sehnen und Muskeln entwickeln, Herz und Lunge und vor allem die Trittsicherheit.“

Lipizzaner auf der Stubalm
TV Lipizzanerheimat/ Spanische Hofreitschule – Lipizzanergestüt Piber

Nach drei Sommern auf der Alm findet die sogenannte Musterung statt. Dabei werden laut Movia folgende Fragen geklärt: „Wer bleibt im Gestüt? Wer geht nach Wien? Wer wird verkauft? Dann werden sie kurz anlongiert die Hengste bei uns, die vorreserviert sind für Wien, und dann gehen sie weiter nach Niederösterreich nach Heldenberg ins Trainingszentrum, und dann beginnen sie mit der Arbeit.“

Conny Krainz im Lipizzanergestüt Piber
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Conny Krainz und Erwin Movia

Bis zu acht Jahre in Ausbildung

Selbst dann dauert es aber noch viele Jahre bis zum ersten Auftritt in der spanischen Hofreitschule in Wien: „Normalerweise im Schnitt dauert die Ausbildung eines Hengstes sechs bis acht Jahre.“ Das Gestüt Piber selbst feiert heuer übrigens 100 Jahre Lipizzanerzucht, das Gestüt gibt es aber schon viel länger, sagt Movia: „Das Gestüt ist umgewidmet worden 1790 zum Remontengestüt, da gab es Remonten-, also Jungpferde-Ausbildungen für den Krieg.“

Sendungshinweis:

„Guten Morgen Steiermark“, 2.7.2020

Heute ist das Gestüt Piber vor allem auch beliebtes Ausflugsziel, und nach kurzer Zwangspause durch das Coronavirus gibt es nun auch wieder Führungen, bei denen etwa die Stuten mit ihren Fohlen, die Hengste oder die neue Geschirrkammer besucht werden können. Neben Kutschenfahrten gibt es seit heuer außerdem eine weitere Attraktion laut Movia: „Was heuer neu ist, ist die Almführung mit einem Lipizzaner-Picknick oder einem Picknick im Gestüt.“