„Schwarze Schafe“ von Teresa Kirchengast
edition atelier
edition atelier
Lesezeichen

Ein Zuhause für „Schwarze Schafe“

In „Schwarze Schafe“ erzählt die 25-jährige Steirerin Teresa Kirchengast die ungewöhnliche Geschichte einer zufälligen Wohngemeinschaft: Drei Suchende finden bei der Journalistin Ella und ihren schwarzen Schafen ein Zuhause.

Die Journalistin Ella lebt zufrieden mit ihren Schafen Bertha und Suttner in einem Wohnwagen hinter dem ehemaligen Haus ihres Vaters. Am Dach von ihrem Wohnwagen steht eine Hollywood-Schaukel – eine ungewöhnliche Konstruktion, gibt die Autorin Teresa Kirchengast zu: „Ich weiß auch nicht, ob das technisch wirklich möglich ist. Eine Hollywood-Schaukel verkörpert für mich so ein bisschen das Gefühl von Freiheit, aber ich weiß auch nicht, mehr wie mir die Idee gekommen ist.“

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 12.7.2020

Ein Haus für Alle

Auf den ersten Blick also ein großes Idyll – neben dem Wohnwagen mitten im großen Garten grasen zwei schwarze Schafe – Bertha und Suttner. Diese Schafe geben dem Roman nicht nur den Titel, sie sind auch Synonym für die handelnden Personen – denn es tauchen mehrere Menschen auf, die nach und nach bei Ella in ihrem Haus einziehen.

Zuerst steht plötzlich die resolute und polternde Elisabeth da, die behauptet, dass das Haus ihr gehöre und es in Beschlag nimmt. Ihr frisch aus dem Gefängnis entlassener Sohn Bob zieht ebenfalls ein. Und schließlich findet auch die 17-jährige Eleonore mit ihrem Baby hier ein Zuhause.

„Schwarze Schafe“ von Teresa Kirchengast
edition atelier

„Schwarze Schafe haben es mir angetan“

„Also dieses Hinschauen auf Leute, die auf den ersten Blick so wirken, als ob sie wirklich gestrauchelt wären. Das da aber was dahintersteckt und jeder für sich eigentlich total liebenswert ist wenn man mal genauer hinschaut – also diese ‚Schwarzen Schafe‘ in tierischer und menschlicher Form haben es mir angetan.“

Das hängt dann wohl auch mit ihrer Berufswahl zusammen, denn Teresa Kirchengast ist Sozialarbeiterin: „Ich bin auch nicht umsonst Sozialarbeiterin geworden. Das hat einerseits viel mit Sprache zu, weil mir Sprache und Schreiben immer sehr wichtig war und ich immer was mit Sprache machen wollte. Und es ist natürlich auch ein Beruf, der mit schwarzen Schafen zu tun hat, die sich manche Leute nicht so gern anschauen – aber ich habe sie einfach sehr gerne.“

Am 24. Juli stellt Teresa Kirchengast ihr Buch bei den Feldbacher Sommerspielen vor, weitere Termine sind im Herbst geplant.

Die Geschichten hinter den Menschen

Und so lässt sie ihre schwarzen Schafe die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen: Von Ella, Bob und Eleonore erfährt man das Leben in der WG, dann gibt es noch Jakob, der Ellas Vergangenheit und die des Hauses beleuchtet. „Also es geht mir um die Charaktere, um die einzelnen Personen um die Geschichten, um das was dahinter steckt und das geht leichter zum Erzählen, wenn die Perspektiven gewechselt werden und man gleichzeitig die Außen- und Innenperspektive von jeder Person hat“, erklärt die Autorin.

So fügt sich dann eines zum anderen – und die Frage wo und was Heimat sein kann, steht immer im Mittelpunkt und somit kommt auch wieder der Wohnwagen ins Spiel, der für Kirchengast eine besondere Bedeutung hat: „Abgesehen davon, dass ich als Kind viel Urlaub im Wohnwagen gemacht habe, am Campingplatz, war der Wohnwagen einfach für mich so ein Symbol – so als zu Hause das man mitnehmen kann und dass es nicht immer ein Ort sein muss, sondern auch Menschen ein zu Hause sein können.“