Lesezeit

Schon wieder ein Klimabuch!

„Nicht schon wieder ein Klimabuch“, mögen sich vielleicht manche denken. DOCH. Denn der Titel dieses Buches erklärt alles: „Für Pessimismus ist es zu spät – Wir sind Teil der Lösung“ ist das aktuelle Werk von Österreichs bekanntester Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb.

Es mag aufs erste Hinhören vielleicht erstaunlich klingen, aber Helga Kromp-Kolb hat einiges mit dem heuer verstorbenen Wolfgang Pucher gemeinsam: Wenn man den Vinzipfarrer in schwierigen Situationen gefragt hat, was man tun solle, hat er meist „etwas“ geantwortet: Nichts zu tun, zu resignieren, war Wolfgang Pucher bei sozialen Problemen zu wenig.

Buchtipp
Molden

€ 26,00
Hardcover
13,5 x 21,5 cm; 224 Seiten
ISBN 978-3-222-15111-8
Molden Verlag

Und so ist es bei der Professorin für Meteorologie in Klimafragen: „Der Gedanke ist, dass Pessimismus lähmt und wir jetzt eigentlich nicht aufgerufen sind, da zuzuwarten oder zu sagen, es wird schon werden, sondern wir müssen wirklich was tun. Wir müssen uns wirklich engagiert dafür einsetzen, dass die Natur und insbesondere das Klima erhalten bleibt, zumindest halbwegs so, wie wir es derzeit haben. Und dazu gehören einfach sehr viele Umstellungen. Und die muss man bereit sein zu gehen und sich auch den Mut nehmen, das zu machen. Und das Schöne ist, dass wenn wir es vernünftig machen, dass dann einfach die Zukunft auch wesentlich schöner sein kann.“

„Reparieren, was jetzt falsch läuft“

In Ihrem aktuellen Buch analysiert die 75-jährige Forscherin zwar kurz und prägnant, wie sich die Menschheit in die derzeitige Lage manövriert hat und was uns droht, wenn wir alles so weiterlaufen lassen wie bisher; viel mehr Gewicht – und deswegen auch der Buchtitel – legt sie aber darauf, das zu betonen, was schon alles an Gutem geschehen ist: Dass Klimaschutz wichtig ist, kommt mittlerweile in immer mehr Köpfen an, ebenso die Erkenntnis, dass es dabei weniger um das Klima, sondern vielmehr um uns Menschen in einer lebenswerten Umwelt geht: „Wir können im Zuge der Bemühungen um das 1,5-Grad-Ziel oder auch ein zwei-Grad-Ziel, wo immer man dann wirklich landet, im Zuge dieser Bemühungen können wir so viel anderes reparieren, was jetzt falsch läuft.“

Ob das nun der Verlust an Biodiversität ist, der Bodenfraß oder doch das überbordende Problem mit dem Plastikmüll. Es liegt an jedem und jeder einzelnen, etwas dagegen zu tun. Um es beispielhaft zu machen, fordert Helga Kromp-Kolb, dass wir vor allem in den westlichen Industrieländern zu einem Lebensstil wie in der Mitte der 1960er Jahre zurückkehren sollten. Und das, betont sie, sei nicht mit einem drastischen Verzicht auf lieb Gewordenes und dem damit verbundenen Verlust an Lebensqualität einhergehend.

Sendungshinweis

„Guten Morgen, Steiermark“, 3.12.2023

„Ein Angstnehmen“

„Ich glaube, es ist wirklich vor allem ein Angstnehmen; also Angstnehmen davor, dass es schlecht wird. Weil 1965, das war ein Jahr vor meiner Matura: Wir haben gut gelebt, es ist uns nichts wirklich abgegangen; zugegebenermaßen: Ich komme aus einer Familie, wo das der Fall war. Aber das galt für die meisten Österreicher und Österreicherinnen. Das heißt, es ist nicht dann zurück auf die Bäume oder in die Steinzeit oder was immer da so kolportiert wird, sondern es ist ein gutes Leben und es wird auch noch besser sein können dadurch, dass wir eben auch technologische Fortschritte gemacht haben. Also wir müssen nicht auf alles verzichten, was wir inzwischen erarbeitet haben, aber wir müssen es sinnvoll nutzen.“