Alte Handschrift aus einem Archiv
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Handschriften lesen wie ein Buch

Am 23. Jänner ist der internationale Tag der Handschrift und sie sagt einiges über den Charakter eines Menschen aus, weiß Marianne Nürnberger, die seit mehr als 40 Jahren als Graphologin tätig ist. ORF Steiermark-Reporter Mario Fellner hat den Selbstversuch gewagt.

Marianne Nürnberger prüft als forensische Handschriften-Expertin normalerweise Testamente oder Kaufverträge auf ihre Richtigkeit beziehungsweise deckt Betrugsfälle auf. Bei Testamenten etwa sei besonders auf die Begleiterscheinungen des Alters in der Schrift zu achten: „Da ist es wichtig einzuschätzen: Kann eine Unterschrift kurz vor dem Tod der Erblasserin oder des Erblassers produziert worden sein und da spielt es eine Rolle, dass es spezifische Alterungsmerkmals gibt in der Handschrift und die sind auch schwer fälschbar.“

Unterschrift der Eltern nicht fälschbar

Daher würde Nürnberger auch sofort erkennen, wenn ein Kind die Unterschrift der Eltern fälschen würde: „Das geht deshalb nicht, weil Kinderhandschriften nicht entwickelt sind und Erwachsenen-Handschriften haben einfach bestimmte Kennzeichen, die ein Kind nicht so gut imitieren kann.“

Für eine Testamentsprüfung hingegen würde Nürnberger etwa zwei bis drei Monate brauchen und dabei wird sogar mit dem Mikroskop geprüft: „Das Stereomikroskop ist wirklich das Um und Auf der kriminalistischen Handschriften-Untersuchung, weil es die Schrift wie eine Landschaft darstellt und viele Details offenbart.“

Schrift offenbart auch soziale Kompetenz

In ihren Anfängen hat Nürnberger Berufseignungs-Gutachten erstellt, „an die 2.000 grob geschätzt, für große Firmen vor allem“. Dieses Verfahren sei zwar nicht für alle Tätigkeiten geeignet, „aber wenn sie Tätigkeiten haben, wo soziale Kompetenzen wichtig sind, dann ist es ein Bereich, der eigentlich recht tiefschürfend aus der Handschrift herausgelesen werden kann.“ Alter, Geschlecht und Schulbildung könnten die Einschätzung dabei aber stark einfärben.

Betonte „Oberzeichen“ weisen auf Ehrgeiz hin

ORF Steiermark-Reporter Mario Fellner hat den Selbsttest gemacht und der Graphologin eine Notiz als Handschriftprobe vorgelegt. Die Analyse der Expertin: „Was man sieht, ist, dass die Schrift gut gegliedert ist, das heißt, sie haben einen systematischen Verstand, sie bemühen sich um Ordnung und Struktur. Links wird der Rand immer größer und nach rechts geht die Schrift sehr stark über den Rand hinaus – das heißt, sie gehen zu auf die Leute, sie vereinnahmen sie, muss man fast sagen.“ Besonders betonte Oberzonen in der Handschrift würden zudem für geistigen Ehrgeiz sprechen, was im journalistischem Beruf wohl auch nicht schaden kann.

Dieser Artikel begleitet die Sendung „Guten Morgen Steiermark“, Radio Steiermark, 23.1.2024.