NS-Opfer: Arbeit des Versöhnungsfonds im Fokus

Ein dunkles Kapitel der Vergangenheit steht im Oktober im Mittelpunkt einer Tagung in Graz - Zwangsarbeit im NS-Regime. In der Veranstaltung wird die Arbeit des Versöhnungsfonds zur Entschädigung der Opfer diskutiert.

Kriegsopfer des NS-Regimes

Ludwig Boltzmann Institut

Kriegsopfer des NS-Regimes

Von 1939 bis 1945 wurden in Österreich laut dem Ludwig Boltzmann-Instituts (LBI) für Kriegsfolgen-Forschung etwa eine Million zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Juden in nahezu allen Wirtschaftszweigen der Kriegswirtschaft zur Arbeit herangezogen. Mit Kriegsende und der Befreiung 1945 kehrte ein Großteil von ihnen wieder in ihre Heimat zurück. Ein Teil der sowjetischen Kriegsgefangenen und „Ostarbeiter“ wurde von den Sowjets unter Zwang rückgeführt, andere wiederum blieben in Österreich oder emigrierten in Drittländer wie die USA, Kanada, Großbritannien oder Australien.

130.000 Menschen erhielten Entschädigung

Die Aufgabe des Ende 2000 konstituierten Österreichischen Versöhnungsfonds bestand darin, noch lebenden ehemaligen Zwangsarbeitern symbolische Geldleistungen zu übermitteln. Dadurch sollte ein Zeichen gegen das Unrecht gesetzt werden, das von den Opfern erlitten wurde. Von den vom Bund, den Bundesländern und der Wirtschaft finanzierten rund 436 Millionen Euro wurden bis 2005 352,6 Millionen ausgezahlt. Über 130.000 Menschen erhielten eine Entschädigung.

Akten des Versöhnungsfonds wurden ausgewertet

Mit den verbliebenen Mitteln wurden unter anderem ein Namensarchiv von NS-Opfern, ein Stipendien-Fonds für deren Nachkommen sowie der Zukunftsfonds zur Unterstützung von Projekten zur Versöhnung eingerichtet. Der Zukunftsfonds fördert nun ein wissenschaftliches Projekt, das sich der Auswertung des Aktenbestandes des Versöhnungsfonds, der dem Staatsarchiv übergeben wurde, widmet. Erste Ergebnisse werden nach zweijähriger Arbeit auf der Grazer Tagung präsentiert.

„Runder Tisch“ mit Schüssel und Schaumayer

Eröffnet wird die Veranstaltung am 20. Oktober mit einem „Runden Tisch“. Daran werden unter anderem Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), die ehemalige Regierungsbeauftragte für Zwangsarbeiterfragen, Maria Schaumayer, und der ehemalige Generalsekretär des Versöhnungsfonds, Richard Wotawa, teilnehmen. Diskutiert werden dabei die Ziele, Resultate und Wirkungen des Versöhnungsfonds. Am 21. Oktober werden dann Experten aus Österreich, Deutschland, Russland und Ungarn über den Einsatz ausländischer Zwangsarbeiter auf dem Gebiet des heutigen Österreich während des Zweiten Weltkrieges referieren.

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