GAK bringt vierten Konkursantrag ein

Der Grazer Traditionsfußballclub GAK hat am Freitag Konkurs angemeldet - es handelt sich um den bereits vierten Konkursantrag seit 2007. Laut Präsident Bittmann können die laufenden Kosten nicht mehr bedient werden.

GAK-Bälle

ORF

Die drohende Zwangsversteigerung des GAK-Trainingszentrums in Graz wurde erst Ende September abgewandt - mehr dazu in GAK-Zentrum: Keine Zwangsversteigerung (1.10.2012)

Die Mietrückstände für das Trainingszentrum, Nachforderungen aus den Konkurs-Jahren sowie Nachzahlungen bei der Stadt Graz in Form von Kommunalsteuern setzten den Verein in den letzten Wochen und Monaten immer mehr unter Druck; auch die Generalversammlung Anfang der Woche brachte keine Klärung der Lage - mehr dazu in Bittmann drohte mit Konkurs.

Masseverwalter Scherbaum

Nun wurde der Konkursantrag von der GAK-Präsidiumsetage rund um Präsident Benedikt Bittmann selbst eingereicht; als Insolvenzverwalter wurde Norbert Scherbaum bestellt, der schon den Zwangsausgleich von Sturm Graz und die drei vorherigen Konkursverfahren des GAK betreut hatte.

Mit über 200.000 Euro verschuldet

Die Überschuldung laut Statusbericht nimmt sich zwar mit rund 200.000 Euro vergleichsweise gering aus, allerdings stehen Aktiva von rund 170.000 Euro neben den bislang bekannten Mietrückständen von 140.000 Euro (für die Nutzung des Trainingszentrums Weinzödl) und Kommunalsteuer-Forderungen (153.000 Euro) auch zwei ausstehende Monatsbeiträge bei der Gebietskrankenkasse (30.000 bis 40.000 Euro) gegenüber; zudem gibt es alte Finanz- und Kommunalsteuerschulden in der Höhe von rund 2,15 Mio. Euro.

Die Kreditschutzverbände erachten die Weiterführungschancen als gering, vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) heißt es, dass es beim GAK nach dem Zwangsabstieg in die Regionalliga nie zu einer Strukturanpassung an die Anforderungen eines Regionalligavereins gekommen sei.

Abstimmung wird geladen...

Sanierungsgremium tagt noch am Freitag

Im Rahmen der Generalversammlung am Montag wurde beschlossen, dass in den kommenden Wochen ein Sanierungskonzept erstellt werden soll - ein achtköpfiges Gremium sollte demnach einen Bericht vorbereiten, wo neue Grundlagen für einen möglichen Fortbestand des GAK geschaffen werden sollen. Dieses Gremium traf sich noch am Freitag zu einer Sondersitzung, um zu besprechen, wie es nach dem vierten Konkursantrag in fünf Jahren beim GAK weitergehen soll.

Konkurs nicht rechtmäßig eingebracht?

Der Sprecher des Gremiums, der ehemalige GAK-Präsident Harald Fischl, bezweifelt, dass der Konkurs rechtmäßig eingebracht wurde: „Wir werden einen Rekurs bei Gericht einbringen und hoffen damit, dass der Konkurs, der eingeleitet und beschlossen wurde, vom Gericht aufgehoben wird. Es ist endlich Zeit, dass gewisse dubiose Figuren dem Verein fernbleiben“, so Fischl.

Seiner Meinung nach hätte Präsident Bittmann diesen Konkursantrag nicht mehr stellen dürfen - Bittmann sei bei der Generalversammlung zurückgetreten und habe danach die Sitzung verlassen; daher kürte die Generalversammlung eiligst den bisherigen sportlichen Leiter, Walter Koleznik, zum einzig offiziellen Repräsentanten des Vereins, so Fischl. Bittmann kontert: „Ich war bis zum Ende der Generalversammlung vor Ort, und Walter Koleznik wurde zum Tagesvorsitzenden und nicht zum Langzeitvorsitzenden gewählt.“

Für Fischl nicht nachvollziehbar ist außerdem, dass Norbert Scheerbaum auch bei der vierten Pleite des Traditionsclubs zum Masseverwalter bestellt wurde: „Weil hätte man die Konkurse der Vergangenheit richtig gemacht, wäre ein weiterer Konkurs vielleicht gar nicht notwendig“, so Fischl.

Vierter Konkurs in fünf Jahren

Das erste Konkursverfahren war im März 2007 mit 20 Mio. Euro an Passiva eröffnet worden und sah nach einem Zwangsausgleich eine Quote von 20 Prozent vor; weil dies nicht erfüllt werden konnte, folgte im November 2007 der zweite Konkurs, wieder mit 20-prozentiger Quote, die im Oktober 2008 erfüllt wurde. Das dritte Verfahren folgte schließlich im Oktober 2009 und endete mit einem weiteren Zwangsausgleich im Juli 2010, abermals mit einer 20-prozentigen Barquote.

Auch strafrechtlich laufen die Ermittlungen, u.a. wegen des Verdachts von Schwarzgeldzahlungen - der Prozess wird frühestens für Mitte 2014 erwartet - mehr dazu in GAK - Chronologie des Niedergangs.

Link: