Personalproblem in Gastronomie spitzt sich zu

Immer mehr Gastronomiebetriebe klagen über akute Personalprobleme. Besonders betroffen ist etwa der Bezirk Bruck-Mürzzuschlag. Hier mussten bereits Gasthäuser schließen, weil sie keine Mitarbeiter mehr bekamen.

Es sind nicht nur ein paar wenige Betriebe in der Region Bruck-Mürzzuschlag, es ist eine ganze Branche, die ein massives Problem hat. Das Gasthaus Mürzstub’n Feiel in Kapfenberg etwa war eines der beliebtesten Lokale in der Region. Seit Ende Oktober ist der Betrieb geschlossen, weil kein Personal mehr zu bekommen war.

Industrie statt Gastronomie

Auch der Angererwirt in Frauenberg-Maria Rehkogel sperrt zu: Selbst der Sohn des Betreibers zog die Arbeit in einem Industriebetrieb der Gastronomie vor, neue Mitarbeiter waren nicht zu finden, so Siegfried Angerer: „Die Jugend geht heute acht Stunden arbeiten, hat ihre Ruhe und ihr fixes Geld. Es geht keiner mehr zwölf, 14 Stunden ins Gastgewerbe arbeiten. Diese Gesellschaft ist ausgestorben, die gibt es nicht mehr bei uns.“ Er hat das Gasthaus verkauft, die Einrichtung ist noch zu haben: „Wir verkaufen unser Inventar, unsere Teller. Ein Euro das Stück, Gläser um einen Euro. Komplette Sets bis zu 90 Personen. Für die Tafel alles da.“

Gasthäuser

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Am 17. November sperrt der Angererwirt für immer zu.

In St. Lorenzen im Mürztal sucht die Steirische Stub‘n dringend Personal. Seit Monaten so gut wie erfolglos, sagt Horst Puhl: „Ja, es ist schwer, Personal zu finden. Wir suchen schon seit Jänner Küchengehilfinnen. Sechs waren da, alle jammern über zu viel Arbeit, zu wenig Lohn. Es ist einfach schwierig, Personal zu finden."

ORF Steiermark-Reporter Franz Neger beleuchtet in seinem „Brennpunkt“ die Personalprobleme in der Gastronomie.

Viele würden die Branche wechseln

Robert Haas, Buschenschank-Betreiber in St. Lorenzen im Mürztal, sieht die Problematik darin, dass viele die Branche wechseln: „Sie wechseln dann teilweise in die Industrie, haben dort höhere Kollektivverträge. Für uns ist es einfach schwierig, die Löhne zu zahlen, weil wir einfach schon sehr hohe Lohnnebenkosten haben. Und die Öffnungszeiten: Bei uns ist am Wochenende das Hauptgeschäft, die wenigsten wollen noch am Wochenende arbeiten und darum ist es sehr, sehr schwierig, da was zu finden."

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Burg Oberkapfenberg

Aus unterschiedlichen Gründen völlig aus der Gastronomie zurückgezogen haben sich die früheren Pächter des Lokals auf der Burg Oberkapfenberg, Gerald Feldhofer und Bibiane Feldhofer. Der ehemalige Gastronom gab das Geschäft nach 28 Jahren auf. „Wir haben das beide mit Herz gemacht und mit Leidenschaft“, so Bibiane Feldhofer. Beide arbeiten jetzt in Industriebetrieben - einer der Hauptgründe: die Arbeitszeiten.

Maßnahmen für Verbesserung der Situation

In der Wirtschaftskammer sieht man klare Ursachen für die Personalprobleme in der Gastronomie: In der Mur-Mürz-Region würden für Arbeitssuchende einfach viele andere attraktive Möglichkeiten geboten, so Elisabeth Puster von der Wirtschaftskammer: „Viele gehen halt in die Industrie arbeiten. Da sind fixe Arbeitszeiten, die Entlohnung ist besser." Beim Arbeitsmarktservice sieht man gleich ein ganzes Bündel an notwendigen Maßnahmen, um die Situation für die Gastronomie zu verbessern, so Landesgeschäftsführer Karl-Heinz Snobe: „Vor allem ist es das Thema Arbeitszeit: arbeiten am Wochenende, arbeiten am Abend, in der Nacht. Vor allem in den ehemaligen Industrieregionen wird es immer schwieriger, Arbeitssuchende dazu zu bewegen, sie gehen woanders hin."

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