200 Millionen für zweites „Straßenbahn-Paket“

Während dieser Tage der Bau der Straßenbahnlinie in den neuen Grazer Stadtteil Reininghaus startet, stellt die Stadt schon die Weichen für eine zweite Ausbau-Etappe nach 2023. Geplant sind zwei neue Linien um rund 200 Mio. Euro.

Bereits auf Schiene sind die Bauarbeiten für die Straßenbahnlinien nach Reininghaus und Smart City, um die Innenstadt zu entflechten: Bis Ende 2023 sollen die beiden Linien fertig sein, die Stadt spricht von der umfangreichsten Erweiterung des Grazer Straßenbahnnetzes seit den Gründertagen - mehr dazu in Graz: 117 Mio. für neue Straßenbahnprojekte (5.2.2018) und in Bundesmillionen für Grazer Verkehrsprojekte (20.6.2018). Diese beiden Projekte seien aber zugleich nur ein Etappenziel - es sei notwendig, schon jetzt die Netzerweiterung nach 2023 zu planen, hieß es am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz von Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KPÖ).

Nordwestlinie von Roseggerhaus nach Gösting

Derzeit liegen Pläne für eine Südwest- und eine Nordwest-Linie vor. Die Nordwest-Linie soll über Roseggerhaus, Lendplatz und Wiener Straße nach Gösting führen, Verkehrsplaner rechnen hier mit 55.000 Fahrgästen pro Tag. Das sind Prognosen für das Jahr 2030 unter Berücksichtigung der Stadtentwicklung, also etwa Bevölkerungszuwachs und Errichtung von Siedlungsgebieten, so Kahr am Freitag.

Südwestlinie würde nach Straßgang führen

Für die Südwest-Linie liegen derzeit zwei Varianten vor: Eine vom Roseggerhaus Richtung Straßgang, die andere über die Karlauerstraße, ebenfalls Richtung Straßgang. Diese Linie würde zwischen 30.000 und 40.000 Fahrgäste bedienen.

In Summe fahren derzeit in Graz etwa 170.000 Menschen täglich mit der Straßenbahn. Man stoße hier aber bald an Grenzen, sagte Kahr, „weil die Bevölkerungszahl auf der einen Seite stark wächst und ein dringender Nachholbedarf herrscht, weil wir jahrzehntelang ein bisschen zu langsam im Ausbau des schienengebundenen Verkehrs waren. Es sind natürlich Netzerweiterungen erfolgt, aber damit wir da nicht ins Hintertreffen kommen, müssen wir heuer schon ein Straßenbahnpaket II beschließen, und da werde ich alles dran setzen, dass es im Gemeinderat auch zu einer politischen Willensbildung kommt.“

Kahr gegen U-Bahn und Murgondel

Die Kosten für den Ausbau dieser zwei zusätzlichen Linien würden etwas mehr als 200 Millionen Euro betragen. Kahr will mit diesen beiden Straßenbahn-Varianten eventuellen U-Bahn- und Murgondelplänen entgegensteuern: „Von meiner Seite sind Luft- und Tunnelprojekte nie ein vorrangiges Ziel gewesen. Da sind wir, was die U-Bahn betrifft, schon ein bisschen spät dran, das heißt aber nicht, dass wir uns solche Sachen parallel nicht anschauen können oder sich solchen Plänen komplett verschließen. Aber von den Kosten her stehen solche Projekt in keiner Relation.“

Auch Straßenbahn zur Uni in Diskussion

Neben diesen beiden geplanten Linien nach Gösting und Straßgang stehen auch noch Varianten für die Straßenbahnanbindung der Universität zur Diskussion. Eine Studie eines renommierten Schweizer Verkehrsplaners soll alle denkbaren Varianten für zusätzliche Straßenbahnlinien untersuchen sowie die Für und Wider anschaulich machen, hieß es am Freitag.

Grazer Grüne sehen „oberste Priorität bei Griesplatz“

Die Grazer Grünen begrüßten am Freitag in einer Aussendung, dass es „endlich öffentliche Informationen von der Verkehrsplanung zu diesem wichtigen Zukunftsthema für Graz gibt“. Oberste Priorität müsse der Griesplatz haben, so der Grüne Klubobmann Karl Dreisiebner: „Wir haben leider schon viel zu viel Zeit verloren, was die Anbindung des Griesplatzes und des Grazer Südwesten an die Straßenbahn angeht - insbesondere der Bezirk Gries ist nicht nur einer der am stärksten wachsenden Bezirke, sondern er ist auch jener Bezirk, wo die Menschen unter der schlechten Luftqualität am stärksten zu leiden haben“, so Dreisiebner.

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