Ein Held der Geschichte

„Eine Heldengeschichte“ lautet der lakonische Untertitel von „Am Seil“ von Erich Hackl. Der Oberösterreicher erzählt darin wieder Geschichte anhand eines authentischen „Einzelfalls“ - einem Helden der Geschichte.

Hackl erzählt in „Am Seil“ die Geschichte von Reinhold Duschka, einem Mannes, der während der Nazi-Herrschaft in Wien eine Jüdin und ihre Tochter versteckte und sie so vor der Deportation in ein Vernichtungslager bewahrte.

Zufällig erfahren

Diese wahre Geschichte erfuhr Erich Hackl zufällig: „Die Geschichte von Menschen, die in der Nazizeit Verfolgte versteckt haben, ihnen geholfen haben, hat mich eigentlich immer schon interessiert, mich beschäftigt, unter anderem auch deshalb, weil es einen völlig vergessenen Roman gab in der Nachkriegszeit in Österreich von Doris Prem, über eine Frau, die eine vor der Deportation davongelaufene Jüdin und dann einen Widerstandskämpfer bei sich in der Wohnung versteckt hatte, und ohne dass ich das geahnt habe, bin ich kurz nachher von einer Frau aus dem Umfeld von Lucia Heilmann gefragt worden, ob ich nicht über Reinhold Duschka schreiben möchte, also den Kunsthandwerker in Wien, der in seiner Werkstatt eine Jüdin und ihre Tochter versteckt hat.“

"Am Seil"

Diogenes Verlag

Lucia Heilmann war elf Jahre alt, als sie sich mit ihrer Mutter Regina Steinig vor den Nazis verstecken musste. Sie erzählte Erich Hackl diese Geschichte auch - Reinhold Duschka selbst wollte nie darüber reden. Duschka war einer der wenigen aus dem Freundeskreis, der noch in Wien war, und er sah es wahrscheinlich als selbstverständlich an zu helfen.

Wie in einer Seilschaft verbunden

Diese Jahre im Versteck in der Werkstatt Duschkas - die sehr eintönig, aber natürlich auch sehr dramatisch waren - werden aus der Sicht des elfjährigen Mädchens erzählt.

Sendungshinweis:

„Guten Morgen, Steiermark“, 14.10.2018

Reinhold Duschka war Kunsthandwerker und begeisterter Bergsteiger - daher auch der Titel: Die beiden Jüdinnen sind mit ihrem Retter wie in einer Seilschaft verbunden, schließlich bringt auch er sich in große Gefahr. Heute erinnert eine Gedenktafel am Werkstättenhof in der Wiener Mollardgasse, dem Ort des Vestecks, an Duschka, der 1993 gestorben ist.

Nach wie vor - oder wieder - aktuell

Die Geschichte ist nach wie vor - oder gerade wieder - aktuell, sagt Erich Hackl: „Natürlich, glaub ich, steckt in dieser Geschichte die Aktualität, wenn wir denken an den Umgang mit Geflüchteten, Abschiebungen - ich kenn’ genug Fälle, wo man weiß, was mit den Abgeschobenen in den jeweiligen Herkunftsländern passiert. Die Welle an Hass gegenüber den Flüchtlingen, da kann man diese Aktualität nicht leugnen.“

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