herbst 2019-Sujet
steirischer herbst
Kultur

Steirischer herbst im „Grand Hotel Abyss“

Der steirische herbst 2019 steht unter dem Motto „Grand Hotel Abyss“ und betrachtet die persönliche Wohlfühlzone in unruhigen Zeiten. Eröffnet wird das Festival am 19. September mit einer „abendfüllenden Extravaganza“.

„Wir erzählen immer Geschichten, die in Graz verankert und gleichzeitig für die ganze Welt interessant sind“, formulierte Intendantin Ekaterina Degot beim Programmausblick ihren Anspruch – und so entstand der Großteil der Arbeiten im Auftrag des Festivals.

Künstlerliste und Projekte vorgestellt

Das herbst-Team lässt sich noch nicht wirklich in die Karten schauen, fürs Erste wurde vor allem die Künstlerliste präsentiert; dazu gab es einen Ausblick auf die Eröffnung und einige Projekte. Der Titel, so die Intendantin, beziehe sich auf ein Zitat von Georg Lukacs, der mit „Grand Hotel Abgrund“ in den 1930er-Jahren das Lebensgefühl europäischer Intellektueller und Künstler vor dem heraufziehenden Faschismus beschrieb.

Henriette Gallus (Kuratorin), Ekaterina Degot (Intendantin) und Dominik Müller (Dramaturg) beim Programmausblick zum steirischen herbst
APA/Karin Zehetleitner
Henriette Gallus (Kuratorin), Ekaterina Degot (Intendantin) und Dominik Müller (Dramaturg) beim Programmausblick zum steirischen herbst

Genüsse und ihre Kehrseite zum Start

Das Festival startet am 19. September mit einer „abendfüllenden Extravaganza voller kulinarisch-ästhetischer Genüsse und ihrer dunklen Kehrseiten“, verhieß die Intendantin. Es beginnt im Landhaushof mit einer Politoper von Zorka Wollny, später geht es weiter in den Congress – dort gibt es Installationen und Performances von Cibelle Cavalli Bastos, Jakob Lena Knebl, Markus Pires Mata und der Grazerin Hanna Rohn. Die Berliner Experimentalvokalistin und Tänzerin Jule Flierl ist zu sehen, ebenso das Künstlerduo Elmgreen & Dragset. Den Abschluss bildet eine Lecture-Performance von Gernot Wieland über Österreich und seine Genusskultur, die vom isländischen Duo Erna Omarsdottir und Valdimar Johannsson choreografiert wird.

Sendungshinweis:

„Der Tag in der Steiermark“, 12.6.2019

Kontexte und Konflikte

Mit einigen Installationsprojekten möchte der herbst an verschiedenen Standorten historische Kontexte berühren und Konflikte aufzeigen: So wird im Palais Attems, dem ehemaligen Hauptquartier der britischen Besatzungstruppen und Sitz des Festivalbüros, eine Arbeit von Oscar Murillo zu sehen sein, die die Verfallsästhetik der Gegenreformation thematisiert. Im Grazer Künstlerhaus, dessen Entstehung und Baustil ebenfalls von der britischen Besatzung beeinflusst sein sollen, werden Filme von Jasmina Cibic und Jeremy Deller sowie Ian Hamilton Finlay gezeigt. Daniel Mann und Eitan Efrat gehen in ihrer Filminstallation im Forum Stadtpark der geheimen Geschichte der NS-Zeit über den therapeutischen Einsatz von radioaktivem Gas nach.

Heimische Kulturschaffende eingebunden

Dem Ruf des Festivals sind auch wieder zahlreiche heimische Kulturschaffende gefolgt, die das Programm durch performative Auftragsarbeiten abrunden: So lädt das Theater im Bahnhof auf den Hofbauernmarkt in Eggenberg ein, wo es bei einem Spiel um den Teufelskreis der Armut geht. Choreograf, Regisseur und Kurator Michiel Vandevelde führt seine Auseinandersetzung mit Nazim Hikmets „Human Landscapes“ fort.

Tourformate in Arbeit

Derzeit werden noch diverse Tourformate für Rundgänge erarbeitet, damit Interessierte bei ihren Parcours auch möglichst viel sehen können. Den Festivalpass wird es auch wieder geben, er ist zum Preis von 29 bzw. 23 Euro ab sofort erhältlich.