Vier Menschen auf einem Dachboden, im Bild ist auch eine große Antenne. Eine Person streckt die Hand nach oben.
Nikola Milatovic
Kultur

„DramaWalks“: Drama in den Straßen von Graz

Am kommenden Sonntag wird in Leibnitz zum neunten Mal der Retzhofer Dramapreis vergeben. Über 100 unveröffentlichte Texte wurden heuer für diesen Nachwuchspreis eingereicht. Die Final-Beiträge werden bis Samstag in der Grazer Innenstadt präsentiert.

„Wir machen einen Spaziergang durch das Grazer Herz-Jesu-Viertel, wo man Ausschnitte aus den nominierten Stücken sieht und den Texten und den Schauspielern begegnet“, erklärt Felix Hafner aus Voitsberg – mit 27 ist er zwar jung an Jahren, hat aber schon reichlich Regie-Erfahrung am Wiener und Münchner Volkstheater sowie am niederösterreichischen und am Tiroler Landestheater gesammelt. Für die „DramaWalks“ hat er unter anderem das Stück „Den Dachs hab ich vergessen“ im Dachboden eines Grazer Wohnhauses inszeniert.

„Muss nicht immer auf der Bühne sein“

Dieser Text ist einer der Finaltexte des renommierten Retzhofer Dramapreises, der alle zwei Jahre von der steirischen Kulturinitiative uniT vergeben wird – dotiert ist der Nachwuchspreis für szenisches Schreiben mit 5.000 Euro. Die Finaltexte werden im Rahmen des Dramatiker|innenfestivals bei den „DramaWalks“ präsentiert.

Ein Kellergewölbe mit einer Theke. Auf der Theke liegt ein Schweinekopf, dahinter hängen Würste auf einer Stange. Vor der Theke sitzt das Publikum, dahinter und an der Theke agieren die Schauspieler
Nikola Milatovic
Die ausgewählten Spielorte sind vielfältige, die ein oder andere Überraschung ist garantiert.

Die richtigen Spielorte zu finden, war gar nicht so einfach, erzählt die Leiterin der „DramaWalks“, Sandra Schüddekopf: „Beim Gehen überlegt man sich: Welcher Text könnte wohin passen und was für eine Diskussion möchte man auch mit dem Text herstellen?“, erklärt Schüddekopf.

Die „DramaWalks“ finden am 13., 14. und 15. Juni jeweils um 17.00 Uhr statt. Los geht es bei der Technischen Universität Graz.

In Wirtshaus und Tiefgarage

Die „DramaWalks“ starten am Hauptgebäude der Technischen Uni und führen dann in ehemalige Wirtshäuser genauso wie in eine Tiefgarage – eine interessante Erfahrung auch für Darstellerin Sophia Laggner alias Lotta Schein: „Wenn es der Inszenierung entspricht und passt, dann finde ich das gut – dann muss das nicht immer auf einer Bühne sein. Bühnen haben auch etwas für sich, aber Räume umzuwidmen, finde ich auch ganz interessant fürs Theater“, so Schein.

Zwei Personen mit weißer affenartiger Maske schauen aus einem Fenster
uniT/Wolfgang Rappel
Nicht die gewohnte Theaterbühne ist Auftrittsfläche für die Schauspieler. Auch eine alte Gaststube kann als Bühne dienen.

Die bereits erwähnte Tiefgarage wird bei den „DramaWalks“ zu einem düsteren Salzbergwerk. Katharina Knap mimt im Stück „Das Wunder von Sole“ eine Sprengstoffexpertin: „Man sollte vielleicht nicht unbedingt Platzangst haben. Man muss sich vorstellen, man ist am Meer, und der Himmel ist weit, und die Sterne sind hell, und dann geht das schon“, meint Knap.

Publikum zu Fuß, Schauspieler zu Rad

Die Grazer „DramaWalks“ sind kein theatralischer Weitwanderweg, sondern auch von durchschnittlichen Spaziergängern gut zu bewältigen. Die einzelnen Szenenausschnitte dauern nicht länger als 15 Minuten, die Strecken zwischen den Aufführungsorten sind kurz. Verirren sei ausgeschlossen, sagt Spielleiterin Sandra Schüddekopf.

Das Publikum wird von einer Gruppenleiterin zu den Spielorten geführt. Die Schauspieler sind am Fahrrad unterwegs. „Die müssen natürlich relativ schnell in verschiedene Situationen springen und brauchen deshalb wenigstens diese zwei Minuten, die sie früher kommen, um kurz anzukommen und zu überlegen, welches Stück das nächste ist“, sagt Schüddekopf.

Die Teilnehmer des DramaWalks gehen durch die Stadt
Nikola Milatovic
Spaziergang mit viel Drama. Die Stadt ist für ein paar Tage Kulisse der Finaltexte des Retzhofer Dramapreises.

„Wenn sie jetzt fünf Stücke haben, das sind ja auch fünf Welten. Und durch das Spazierengehen dazwischen, durch den kleinen Weg dazwischen, habe ich auch als Publikum die Möglichkeit einmal loszulassen und mich auf die nächste Situation einzulassen“, erzählt Schüddekopf weiter. Man komme ja immer in Situationen und Szenen, die recht stark seien. Durch die Bewegung habe man den Freiraum, sich auf eine neue Situation einlassen zu können.