Der Angeklagte am Dienstag, 26. Februar 2019, vor Beginn des Prozesses wegen des Verdachts des Quälens seiner Kinder am Grazer Landesgericht.
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Gericht

Arztprozess: Neue Anträge und Vertagung

Der Prozess gegen den oststeirischen Arzt, der über Jahre seine Kinder gequält haben soll, hätte am Freitag zu Ende gehen sollen. Neue Anträge und neues Beweismaterial ließen den Richter aber auf Juli vertagen.

„Heute wird es kein Urteil geben“, verkündete der Richter gleich zu Beginn der Verhandlung am Freitag. Einer der Gründe für diese neuerliche Verzögerung war, dass der psychiatrische Sachverständige Walter Wagner nochmals gehört werden soll. Außerdem wurde der Richter wieder mit zahlreichen Anträgen eingedeckt: Seitens der Anwälte der Opfer wurde beantragt, Tagebuchaufzeichnungen eines der Mädchen als Beweis zuzulassen, außerdem ärztliche Befunde, Gesprächsaufzeichnungen oder ein Familien-Video.

Material noch nicht gesichtet

Der Richter sprach von einem Konvolut an Daten, das er von den Kindern des Angeklagten per Post erhalten habe. 31 Dateien mit rund fünf Stunden Material sollen sich auf dem USB-Stick befinden. Die Videos, Sprachaufnahmen und Fotos sollen einmal mehr belegen, dass der oststeirische Arzt seine Kinder über Jahre gequält und psychisch misshandelt haben soll.

„Ich habe mir das nicht angesehen, da es formal noch nicht Gegenstand der Verhandlung ist“, erklärte der Richter, der von den Anwälten wissen wollte, warum sie nicht diese Anträge gestellt hätten. „Manche Verfahren entwickeln eine Dynamik, die nicht in der Strafprozessordnung vorgesehen ist, das ist eine davon“, lautete die Antwort des Anwalts – er muss mit seiner Kollegin bis 24. Juni das Material sichten und offiziell einbringen.

Verteidigerin kritisiert „Inszenierung“

Erst danach, beim Verhandlungstermin im Juli, will man weiter darauf eingehen. Die Verteidigerin ließ aber bereits am Freitag durchblicken, dass sie in den Dateien wenig Belastendes sehe, sondern vielmehr die, wie sie es bezeichnete, „Inszenierung“ der Aufnahmen verurteile.

Auch an einer aktuellen Presseaussendung einer Tochter – mehr dazu in Prozess gegen Arzt: Tochter veröffentlicht Video – übte die Verteidigerin scharfe Kritik. Die Tochter kritisierte darin die Arbeit des Gerichts im ersten Verfahren, was die Glaubwürdigkeit des Opfers weiter in Frage stelle, so die Anwältin des Arztes.

Frage nach weiteren Anklagen

Bei der Verhandlung am Freitag wurde schließlich noch ein Video vorgespielt, das den Arzt mit seiner Frau beim Essen zeigt. Vom Gespräch konnte man aber so gut wie nichts verstehen – offenbar machte sie ihm Vorwürfe, dass er die Kinder schlecht behandle. „Es hat nie eine persönliche Drohung meinen Kindern gegenüber gegeben“, rechtfertigte sich der Arzt. Alle vorliegenden Aufnahmen seien geheim entstanden, er sei dabei regelrecht vorgeführt worden, meinte er.

Ob es auch das letzte Verfahren gegen den Angeklagten sein wird, wird sich zeigen, denn auch Vorwürfe wegen medizinischer Fehlbehandlungen sind beim Richter direkt eingelangt: Eine Ex-Freundin des Angeklagten legte selbst Material über angebliche ärztliche Fehlbehandlungen vor.

„Ich weiß nicht, was ich damit machen soll“, meinte der Vorsitzende. „Der Staatsanwaltschaft weiterleiten“, antwortete der Ankläger. Die Staatsanwaltschaft Graz wird diese neuen Vorwürfe jetzt prüfen. Der aktuelle Prozess wird am 11. Juli fortgesetzt – ob es da zu einem Urteil kommen wird, wagte am Freitag niemand zu prognostizieren.