Pressekonferenz am LKH Graz
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Gesundheit

LKH Graz: Neue Methode gegen Bluthochdruck

Bluthochdruck bzw. Hypertonie ist eine Gefahr für die Gesundheit, doch nicht alle Fälle sind mit herkömmlichen Mitteln behandelbar. In Graz wurde nun eine neue Methode eingeführt, die auch diesen Patienten hilft – mit einem sogenannten Barostimulator.

Der Steirer Emanuel Schigan litt an chronischem Bluthochdruck – seine Werte: über 200/110 Quecksilbersäule. Zum Vergleich: Normal sollte der Blutdruck unter 140/90 liegen. Die Folge waren mehrere Schlaganfälle – der 45-Jährige konnte nicht mehr arbeiten und hat Wochen im Krankenhaus verbracht.

Auch sechs verschiedene Blutdruck-Mittel haben Emanuel Schigans Blutdruckwerte nicht in den Normalbereich gesenkt. Am LKH Graz ließ sich der Steirer einen sogenannten Barostimulator implantieren. Das Gerät sei für die rund zehn Prozent der Bluthochdruck-Patienten, die nicht mit klassischen Mitteln behandelt werden können, eine Alternative, so die Ärzte.

Gehirn wird höherer Blutdruck vorgetäuscht

Es war die erste derartige Operation im Grazer Landeskrankenhaus. Dabei wurde dem 45-Jährigen eine Batteriebox in die Brust implantiert und eine Elektrode auf die Halsschlagader gesetzt, durch die elektrischer Strom fließt, erklärt Transplantationschirurg Michael Serenigg: „Es wird dem Gehirn vorgetäuscht, dass der Blutdruck höher ist, dadurch aktiviert der Körper das parasympathische System, die Hormone, die uns entspannen und zur Ruhe bringen. Es kommt zu einer Blutdruckverminderung, auch der Puls wird ruhiger.“

Die etwa einstündige Operation ist laut den Ärzten vergleichsweise simpel. Neben dem Einsetzen der Batteriebox gilt es für die Elektrode den individuell richtigen Platz zu finden: „Das ist nicht bei jedem Patienten gleich und man muss ganz exakt auf Millimeter genau den Punkt finden, wo diese Rezeptoren sitzen – und dann sieht man in der Narkose, dass plötzlich der Blutdruck sehr massiv abfällt und auch der Puls abfällt. Dort ist man richtig – und das fixiert man mit ganz feinen Nähten.“

„Ich spüre nichts davon, es ist perfekt“

Mit dem Barostimulator sei der Blutdruck von Emanuel Schigan normal, er wird bald wieder arbeiten und es gehe ihm gut: „Sehr gut! Ich spüre nichts davon, es ist perfekt“, lobt der Patient seine Ärzte.

Nach ca. vier Jahren müssen die Batterien des Geräts ausgetauscht werden – dazu ist wieder ein Eingriff nötig. 22.000 Euro kostet ein Barostimulator – zweimal wurde das Gerät in Graz heuer eingesetzt. Bedarf gäbe es in der Steiermark bei zehn bis 15 Patienten pro Jahr. Das System selbst gibt es seit fünf Jahren – aktuell wird es in vier Zentren in Österreich eingesetzt.