Illustration zum Thema „Impfen/Medikament/Pharma/Injektionen“. Spritzen und Nadeln.
APA/BARBARA GINDL
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Gericht

Betrügerische Ärzte-Geschwister verurteilt

Ein Geschwisterpaar ist am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt worden. Die zwei Ärzte ergaunerten über falsche Rechnungen bei der Deutschen Krankenversicherung (DKV) fast 250.000 Euro.

Der heute 48-Jährige hatte zusammen mit seiner heute 41-jährigen Schwester 1999 in Graz zu studieren begonnen, beide sind gebürtige Deutsche. Zunächst wurde ihnen das Studium von den Eltern bezahlt, doch der Vater verlor durch die Wirtschaftskrise 2008 viel Geld und von da an mussten sich die beiden selbst über Wasser halten. Als Nebenjobs nichts mehr halfen, lernte der Mann einen Kroaten kennen, der ihm vorschlug, alte Rechnungen einfach neu zu datieren und noch einmal bei der DKV zur Auszahlung einzureichen.

„Es waren gute Fälschungen“

„Es waren gute Fälschungen, aber die Diagnosen und die Behandlungen passten oft gar nicht zusammen“, schilderte der Verteidiger des voll geständigen 48-Jährigen. Dieser macht derzeit in einem Kärntner Krankenhaus die Ausbildung zum Allgemeinmediziner fertig. „Es funktionierte und dann habe ich es wiederholt. Zunächst ein- bis zweimal pro Jahr, dann hat sich das gesteigert.“ Die Staatsanwaltschaft klagte insgesamt 40 Fälle an. Die fingierten Rechnungen machten zusammen gut 208.000 Euro aus.

Auch Spielsucht im Spiel

Die Richterin wollte wissen, warum die Summe so hoch wurde. Neben dem 34 Semester dauernden Studium war es auch Spielsucht, so die Antwort des Angeklagten: „Zunächst habe ich nur um kleine Beträge gespielt.“ Dann soll ihn der Kroate, der für ihn die Rechnungen fälschte, anderen Spielern im privaten Kreis vorgestellt haben. „Es wurde bedrohlicher, sie ließen mich manchmal gewinnen, dann nahmen sie mich aus. Ich wurde bedroht, ich sollte die Schulden bezahlen. Ich habe viel Geld verloren“, sagte der Beschuldigte. Heute sei er mit dem Spielen „fertig“.

Für Schwester „finanzielle Spritze“

Seine Schwester, sie arbeitet heute als Zahnärztin in Oberösterreich, hatte mitbekommen, wie ihr Bruder zu Geld kam, und reichte ebenfalls jahrelang gefälschte Rechnungen bei der DKV ein. Insgesamt waren es bei ihr 15 Fälle um zusammen knapp 35.000 Euro. Sie betrachtete das betrügerisch erhaltene Geld als „finanzielle Spritze“, die sie brauchte, um ihr Studium nach rund 15 Jahren abzuschließen. Sie meinte, es tue ihr „fürchterlich leid“. Sie sei „hundertprozentig schuldig“ und sprach von einer „Dummheit“. Ähnliches sagte ihr Bruder.

Unbedingte Gefängnisstrafe für den Mann

Das Schöffengericht verurteilte die Zahnärztin zu zehn Monaten bedingter Haft. Ihr Bruder fasste 20 Monate aus, wobei er fünf unbedingt ins Gefängnis muss. Der Verteidiger bat für seine Mandanten um drei Tage Bedenkzeit. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.