Chronik

Wildschweine auf Autobahn überfahren

Zu einem schweren Verkehrsunfall ist es Dienstagfrüh im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld gekommen. Auf der Südautobahn (A2) wurden zwischen Bad Waltersdorf und Ilz mehrere Wildschweine überfahren.

Etwa zehn Wildschweine verirrten sich gegen 5.00 Uhr auf die Autobahn. Die Tiere wollten die Fahrbahn überqueren, mehrere Autofahrer konnten nicht mehr rechtzeitig ausweichen.

Sieben Wildschweine erfasst

Sieben Wildschweine wurden laut ASFINAG von Fahrzeugen erfasst und überfahren. Die Tiere verendeten, Menschen wurden keine verletzt. Ein Lastwagen und vier Autos wurden beschädigt, möglicherweise gibt es noch mehr Geschädigte, sagte Polizeisprecher Leo Josefus: „Es ist auch so, dass einige Geschädigte vermutlich auch bei ihrer Dienststelle zu Hause die Anzeige erstatten, die merken erst später, dass etwas beschädigt ist oder konnten auf der Autobahn vor Ort gar nicht stehen bleiben, aber diesbezüglich muss man noch schauen.“

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Mitarbeiter der Autobahnmeisterei mussten die verendeten Tiere an den Straßenrand legen
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Sieben Wildschweine wurden von Fahrzeugen erfasst und überfahren
Mitarbeiter des ASFINAG Streckendienstes sind entlang der Autobahn mit den Aufräumarbeiten beschäftigt
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Die Wildschweine wurden bis zum Abtransport von Mitarbeitern der ASFINAG an den Straßenrand gebracht
Die Autobahn war nach dem Unfall mit den Wildschweinen blutverschmiert
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Die blutverschmierte Straße nach dem Unfall mit den Wildschweinen
Die Autobahn musste nach dem Unfall mit den Wildschweinen mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden. Sie war für die Dauer der Aufräumarbeiten in dem Unfallbereich gesperrt
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Die Autobahn musste nach dem Unfall gereinigt werden

Mitarbeiter der ASFINAG waren mehrere Stunden mit den Aufräumarbeiten beschäftigt, sagte Ralf Lafer von der Autobahnmeisterei. „Die Straße war auf etwa 500 Meter Länge stark verschmutzt, sie musste mit einem Hochdruckreiniger gereinigt werden.“

Durch Zaun durchgegraben

Für die Dauer der Aufräum- und Reinigungsarbeiten wurde der Verkehr in Fahrtrichtung Graz über einen Rastplatz umgeleitet, es kam zu Verzögerungen. Jetzt muss geklärt werden, wie die Tiere auf die Autobahn gekommen sind, sagte Autobahnmeister Lafer: „Wir vermuten, dass sie sich unter einem Wildschutzzaun durchgegraben haben, vor allem in der Rudelbildung ist das eine gängige Praxis bei diesen Tieren.“

Wildunfälle auf Autobahnen sind die Ausnahme

Nun werden die Zäune entlang der Südautobahn zu Fuß überprüft, sagte Autobahnmeister Lafer. Die Zäune im nahe gelegenen Baustellenbereich A2/S7 und im Bereich der Generalsanierung der A2 bei Bad Waltersdorf seien in Ordnung. Laut Statistik Austria passiert der Großteil der Wildunfälle auf Landes- und Gemeindestraßen. In der Steiermark gab es im Vorjahr knapp 70 Wildunfälle auf den Straßen, davon nur einen auf der Autobahn. Damit die Versicherung einen Wildschaden am Auto abdeckt, braucht man übrigens zumindest eine Teilkaskoversicherung, die normale Kfz-Haftpflichtversicherung reicht laut Versicherungsverband nicht.

Gerade jetzt in der Erntezeit kann es immer wieder vorkommen, dass Wildschweine auf die Autobahn kommen, weil sie sich durch die Erntemaschinen in ihrer Ruhe gestört fühlen, sagte der steirische Landesjägermeister Franz Mayr-Melnof Saurau: "Sie suchen für sich neue Ruheplätze, die großen Maisschläger sind jetzt in der Ernte, das ist in dieser Zeit normal. Das Wild befindet sich teilweise auf diesen gedeckten, für sie sicheren Plätzen weil sie jetzt Winterlebensräume suchen. So ein Wildschwein ist ja recht kräftig und da kann es schon passieren, dass das Tier so einen Zaun durchdrückt.

Wildbrücken und Reflektoren als Sicherheitsmaßnahmen

In Zusammenarbeit mit dem Land Steiermark und der Asfinag habe man zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die Zahl der Wildunfälle zu senken, sagte Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof Saurau, etwa spezielle, begrünte Wildbrücken über Autobahnen und Schnellstraßen. Einige solche gibt es bereits, er sagt, er könne sich noch mehr Wildbrücken vorstellen: "In der Steiermark gibt es etwa auf der Brucker Schnellstraße (S35) in der Nähe von Bruck zwei dieser Wildbrücken, die vom Wild gut angenommen werden.

Ein weiteres Großprojekt das die steirische Landesjägerschaft schon seit längerer Zeit mit dem Land Steiermark und der Universität für Bodenkultur umsetzt sind Wildreflektoren. Da haben wir mittlerweile auf 400 Kilometer Länge in der Steiermark Reflektoren errichtet haben. So reduzieren wir einerseits Verkehrsunfälle aber auch die Fallwildzahlen und damit auch Tierleid."

Höhere Geburtenrate und höhere Abschussrate

Generell gibt es heuer sehr viele Wildschweine, denn es sei Futter quasi in Hülle und Fülle vorhanden, so der Landesjägermeister: „Wir haben heuer wieder ein stärkeres Jahr, nachdem wir im vergangenen Jahr ein starkes Mastjahr hatten. Die Eiche und die Buche haben Samen produziert, das ist eine sehr gute Nahrung und beeinflusst auch die Geburtenrate bei den Wildschweinen. Deshalb werden wir heuer auch einen höhere Abschuss haben.“

Man versuche, die Wildschweinpopulation konstant zu halten, durchschnittlich würden steiermarkweit pro Jahr rund 1.000 Wildschweine erlegt, heuer werde der Abschuss etwas höher sein, sagte der Landesjägermeister.