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Chronik

Milizsoldat nach Schuss verurteilt

Nach einem Schusszwischenfall in der Kaserne in Bad Radkersburg im August, bei dem ein Rekrut im Genitalbereicht getroffen wurde, stand ein ehemaliger Milizsoldat am Dienstag in Graz vor Gericht. Er wurde wegen grob fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Der Ex-Milizsoldat sei der Meinung gewesen, seine Pistole entladen zu haben, als er von einem Einsatz in die Kaserne zurück kam. „Ich war übermüdet oder ich habe es vergessen“, lautete die Erklärung des Angeklagten vor Gericht. Nach seinen Angaben ging er zum Waffenschrank und wollte die Pistole hineinlegen. Als er sie in der Hand hielt, löste sich angeblich ein Schuss und traf den zufällig danebenstehenden 20-Jährigen – mehr dazu in Schussunfall: Auf Entladung vergessen (20.8.2019). Die Kugel traf das Opfer in der Leistengegend, was zum Verlust eines Hodens führte.

Unterschiedliche Schilderung von Opfer und Angeklagtem

Der Angeklagte und das Opfer schilderten allerdings verschiedene Versionen des Vorfalls. Der junge Rekrut beschrieb, dass der Beschuldigte die Waffe in seine Richtung gehalten, gegrinst und abgedrückt habe. Dann habe er geschrien: „Was, ich hab gedacht, die Waffe ist nicht geladen“ und habe die Pistole weggeschleudert.

Der 20-Jährige Rekrut wurde nach dem Zwischenfall mit dem Hubschrauber ins LKH Graz gebracht und dort operiert; er verlor einen Hoden und leide seither auch an einer posttraumatischen Belastungsstörung – mehr dazu in Schussunfall in südoststeirischer Kaserne (19.8.2019).

Staatsanwalt geht nicht von Unfall aus

„Ein Schuss kann sich nicht lösen, den muss man abgeben“, warf Staatsanwalt Ewald Hörzer ein. „Wenn ich die geladene Waffe in die Unterkunft mitnehme, ist das schon grob fahrlässig“, meinte Richter Oliver Graf und betonte: „Das Wichtigste ist, dass es keinen Toten gab.“

Der Angeklagte bekannte sich schuldig. Das Urteil, 1.200 Euro Geldstrafe und vier Monate bedingte Haft, ist nicht rechtskräftig.