Chronik

Mordprozess: „Verkehre nicht in Polizeibars“

In Graz ist am Dienstag der Prozess gegen zwei Männer fortgesetzt worden, die an einem Mordkomplott gegen einen Italiener 2001 mitgewirkt haben sollen. Als Zeuge war ein slowakischer Ermittler geladen, der aber nur sehr vage Auskunft geben konnte.

Die vier Verdächtigen, von denen nur zwei in Graz vor Gericht stehen, stammen alle aus der Slowakei. Die mutmaßliche Drahtzieherin und ein laut Ankläger direkter Täter (52) befinden sich nach wie vor dort – seit zwei Jahren läuft ein Ansuchen auf Auslieferung, bisher geschah aber nichts – mehr dazu in Mordfall nach 18 Jahren vor Gericht.

Ermittler: „Ich erinnere mich nicht“

Am zweiten Verhandlungstag war nun ein slowakischer Ermittler geladen: Er schilderte, dass es über Ansuchen der österreichischen Behörden Hausdurchsuchungen gegeben hatte, auch hatte der 52-Jährige über den Mord an dem Italiener gesprochen.

„Warum wurde nicht weiter ermittelt?“, fragte die Richterin. „Wir dürfen nur solche Handlungen vornehmen, die vom anderen Staat angeordnet sind“, verwies der Zeuge auf seine Vorschriften. Der 52-jährige Verdächtige habe sich an ihn gewendet und ihm erzählt, dass er zwar bei dem Mord dabei gewesen sei, aber nur die Waffe geladen habe. „Ich habe gespürt, dass er vor der Frau Angst hat“, erzählte der Ermittler.

Als es um eine wichtige Hausdurchsuchung in einem laut Dolmetscherin „Erotik-Salon“ ging, drohte die Stimmung im Saal etwas zu kippen. „Wie sind Sie auf das Bordell gekommen?“, interessierte die Richterin. „Ich erinnere mich nicht“, antwortete der Zeuge. „Gibt es keinen Aktenvermerk?“, hakte die Vorsitzende nach. „Nur meine Erinnerungen“, erklärte der Befragte.

„So kann man doch in einer Mordsache nicht arbeiten“

„Wir würden den Gerichtsakt benötigen“, bat die Richterin. „Wenn das Gericht ein Amtshilfeersuchen stellt…“, begann der Zeuge, wurde aber unterbrochen: „Habe ich gemacht, vor drei Monaten“, antwortete die Richterin. Es sei kein Problem, den Akt zu beschaffen, wenn man ansuchen würde, beteuerte der Mann. „Wie soll ich die Aktenzahlen wissen?“, entgegnete die Richterin schon leicht verzweifelt und fügte hinzu: „Warum haben Sie ihn nicht mitgenommen?“ „Ich bin nicht darum ersucht worden“, kam es ungerührt vom Zeugen. „So kann man doch in einer Mordsache nicht arbeiten“, befand die Richterin.

Überhaupt stieß die Vorgehensweise der slowakischen Ermittler auf wenig Verständnis: „Ich muss wegen jeder Kleinigkeit eine Aktennotiz machen, und Sie hören etwas von einem Mord und melden das nicht“, meinte die Richterin zu dem Ermittler. Der Slowake hatte zuvor gemeint, der Akt rund um den toten Italiener „hat in Österreich zehn Jahre geschlafen“.

Nur weitergemeldet, was angefragt worden sei

Vom unaufgeklärten Mordfall in Österreich habe er schon gehört, so der Zeuge, allerdings habe er nur weitergemeldet, was per Amtshilfeersuchen angefragt worden sei. „In den letzten Jahren ist es so präsentiert worden, dass ein neuer junger Staatsanwalt an der Sache interessiert ist“, gab er seine Sicht der Dinge wider. Immerhin schloss er nicht mehr aus, dass es in der Slowakei eigene Ermittlungen gegeben habe, die auch zur Hausdurchsuchung in dem Bordell geführt hatten. Einer der Angeklagten war darin verwickelt, doch bis heute liegen dem Gericht die diesbezüglichen Akten nicht vor.

„Das sind Lügen“

Der Staatsanwalt konfrontierte den Zeugen mit der Aussage des 55-jährigen Angeklagten, er sei früher selbst Polizist gewesen und habe über die Mordermittlungen „in einer Polizeibar“ etwas gehört. „Sie bleiben dabei, Sie kennen den Beschuldigten nicht, obwohl er Polizist war?“, fragte der Staatsanwalt. „Das sind Lügen, ich verkehre in keiner Polizeibar. Ich erfülle meine Dienstpflichten sogar über den Rahmen hinaus“, ereiferte sich der Slowake.

Am Abend wurde die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. Aus derzeitiger Sicht dürfte der Donnerstag verhandlungsfrei sein, ein Urteil könnte es bereits am Freitag geben.