Eine Kirche mit leeren Sitzplätzen und nur einem Besucher
APA/ROLAND SCHLAGER
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Religion

Um elf Prozent mehr Kirchenaustritte 2019

In der Steiermark ist die Zahl der Katholiken die 2019 aus der Kirche ausgetreten sind um elf Prozent gestiegen. Der Anteil der Katholiken betrug im Vorjahr somit 63,89 Prozent, ein Jahr davor, also 2018, lag er bei knapp 65 Prozent.

Mit Stichtag 31. Dezember 2019 lebten laut aktueller Zahlen 794.169 katholische Bürger in der Steiermark. Vor einem Jahr waren es noch 805.382 Katholiken, wie die Diözese Graz-Seckau am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte.

Losere Kirchenbindung und Ruf nach Reformen

Nicht ganz zwei Drittel der Bevölkerung sind nach wie vor Katholiken, sagte Herta Ferk, Leiterin der Kirchenbeitragsorganisation in der Diözese Graz-Seckau. „Wir bewegen uns von vor 30 Jahren noch 90 Prozent auf jetzt zwei Drittel, dieser Weg wird noch weiter gehen, ich sehe das aber auch durchaus positiv, dass das ein Trend ist in Richtung mulitkulturelle Gesellschaft.“

2019 traten, im Vergleich zum Jahr 2018, um elf Prozent mehr Menschen in der Steiermark aus der Kirche aus. Das sind 11.600 Katholiken weniger als im Vergleich zum Jahr 2018. Noch mehr Austritte gab es nur 2009 rund um das Bekanntwerden der Missbrauchsfälle. Die Diözese Graz-Seckau sprach am Mittwoch von „unerfreulichen Zahlen“. Darin zeige sich weiterhin der gesellschaftliche Trend einer „loseren Kirchenbildung“, aber auch eine nachdrückliche Forderung nach Reformen in der Kirche, so die Diözese Graz-Seckau in einer Aussendung.

Viele Austritte im Frühjahr

Vor allem im Frühjahr 2019 kam es laut Diözese Graz-Seckau zu einer Austrittswelle. Die Kirche führt das auf die Veröffentlichungen rund um Bischof Alois Schwarz in Kärnten zurück, die Kirche bezieht sich dabei auf Rückmeldungen von ausgetretenen Personen. „Diese Entwicklung macht uns aus mehreren Gründen traurig“, sagte Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl. Die ethischen Werte hinter dem katholischen Glauben hätten unsere Kultur über Jahrhunderte geprägt und unsere Gesellschaft zu dem gemacht, was sie heute ist, sagte der Bischof.

Allerdings lassen nicht nur die Kirchenaustritte die Anzahl der Katholiken in der Steiermark schrumpfen, sagte Ferk: „Es handelt sich auch immer um einen Wegzug aus der Steiermark und der Zuzug, den wir auch haben ist nicht überwiegend katholisch. Der nächste Grund ist einfach die demographische Entwicklung, dass wir mehr Todesfälle als Geburten haben.“

"Trotz ihrer Schwächen bleibt Kirche Heimat und wenn es um die Suche nach dem Sinn im Leben geht, haben wir viel anzubieten“, sagte Bischof Krautwaschl. Er erinnert an den Einsatz für die Schöpfung, die Caritas, den Erhalt des kirchlichen Kulturguts, die Seelsorge für Menschen mit Sorgen und in Nöten und die frohe Botschaft eines guten Lebens im Gottvertrauen.

Transparenz, Aufklärung und Prävention

Aus den Rückmeldungen werde deutlich, wie wichtig die transparente Haltung und enge Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit bei der Aufklärungs- und Präventionsarbeit rund um Fehlhandlungen jeglicher Art sei, sagte Stefanie Schwarzl-Ranz, Fachbereichsleiterin für Pastoral und Theologie in der Diözese Graz-Seckau. Die steirische Kirche habe sich deshalb zum Ziel gesetzt, sich mit den Themen Missbrauch und Machtstrukturen in der Kirche noch intensiver und kritischer zu beschäftigen. So habe man im November 2019 das Symposium „Grauzonen: Geistiger Missbrauch“ veranstaltet und sich wissenschaftlich mit dem Thema aus Sicht von Medizin, Theologie und Recht beschäftigt.

Ein weiterer Auftrag an die Kirche sei eine größere Achtsamkeit auf die Qualität in der Seelsorge sowie die Anpassung von kirchlichen Strukturen an die Bedingungen vor Ort. Für eine flächendeckende und qualitätsvolle Begleitung der Menschen setze die Kirche in der Steiermark auf 49 Seelsorgeräume, in denen Teams von Haupt- und Ehrenamtlichen, Laien und Priestern zusammenarbeiten und sich unterstützen, sagte Schwarzl-Ranz.

1.261 Wiedereintritte

Die katholische Kirche in der Steiermark verlor aber im Vorjahr nicht nur Mitglieder. Neben den Austritten traten im Jahr 2019 1.261 Personen wieder in die Kirche ein, 2018 waren es jedoch noch 1.346 Menschen. Formal genügt es für den Wiedereintritt, zu einem Priester eigener Wahl zu gehen und dort diesen Schritt unkompliziert vorzunehmen, ohne dass dafür der Kirchenbeitrag für die Zeit der Nichtmitgliedschaft nachgezahlt werden muss.